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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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94 Lothar Höbelt Anklänge an den Staatssozialismus gegeben32. Der Mangel der faschistischen Lehre bestehe eben darin, der Staat ist ihr die Organisation schlechthin. Aus der philosophischen Sicht der „Ganzheitslehre“ bedeutete das: Er habe noch nicht alle Eierschalen des Individualismus abgestreift. In der ersten Auflage sei- nes Buches, die 1929 erschien, hieß es: Die Syndikate mit ihrer klassenmäßigen Gegenüberstellung sind doch noch Liberalismus auf höherer Ebene33. Heinrich hatte übrigens kein Problem damit, den Begriff „totalitär“ bloß als eine Umschreibung des von Spann geprägten Begriffs „ganzheit- lich“ zu vereinnahmen. Doch die Formel, wie sie Mussolini schon in den An- fangsjahren prägte: Nichts gegen den Staat, nichts ohne den Staat, lief der „Ganzheitslehre“ zuwider. Spann hatte – in einem gewissen Gleichklang mit dem „Absterben des Staates“, wie es Marx für den Sozialismus vorhersagte – vielmehr gepredigt, die Stände müsse etwas vom Staat in sich auffressen. Der Staat sollte sich nicht mit den Sorgen des Alltags abgeben, sein wahres Element sei das Heroische und das Geistige. Die ständische Ordnung, wie sie ihm vor- schwebte, war ganz eindeutig zur Entpolitisierung der Massen gedacht, nicht zur Mobilisierung für die Nation wie bei Mussolini34. Walter Heinrich trug diese Bedenken übrigens auch Mussolini selbst vor. Der Duce ließ sich frei- lich in keine philosophischen Debatten mit dem Besucher ein und antwortete als praktischer Politiker, in Italien könne man nicht anders verfahren, die Italiener seien für die Selbstverwaltung noch nicht reif. Heinrich trug dieser Aussage in den späteren Auflagen seines Buches mit der Passage Rechnung: Für Übergangszeiten am Wege zum Korporativismus würden natürlich noch zentralistische Formen gebraucht35. Ein gewisser Schuß an nationaler Überheblichkeit wurde dennoch deutlich, wenn Heinrich fortfuhr, dies sei vor allem bei einem zwar geistig vielseitigen, aber organisatorisch weniger begabten Volk verständlich. Seine Schlussfolge- 32 Walter Heinrich, Die Staats- und Wirtschaftsauffassung des Faschismus (Berlin 1929, 31932) 120, 133. 33 Heinrich, Faschismus 78, 170; 1. Auflage 72. 34 Spann, Der wahre Staat 215, 169; Schneller, Zwischen Romantik und Faschismus 45. 35 Österreichisches Staatsarchiv (ÖStA), Allgemeines Verwaltungsarchiv (AVA), E/1700:57, Heinrich fol. 17. Bottai teilte diese Kritik Heinrichs, zumindest im Rückblick, wenn er Mussolini vorwarf: Von der politisch zentralisierten Gewalt und der maximalen Dezentralisation im sozial-ökonomischen Bereich, hat er, der „Capo“ nur den ersten Aspekt realisiert. (Über. d. Verf.) (Guerri, Bottai 221).
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
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