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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Seite - 156 -
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156 Paolo Valvo dem der in Deutschland in der „Nacht der langen Messer“ ermordeten deut- schen Katholiken in Verbindung80. Die Parallelität der tragischen Ereignisse in Österreich und der Mordwelle, die vom Hitlerregime am vorangegange- nen 30. Juni losgetreten worden war, stand auch im Zentrum der Analyse von Giuseppe De Mori, der sich in „Gioventù Italica“ auf die unterschied- liche Haltung von Hitler und Dollfuß gegenüber Gewalt konzentrierte. Wäh- rend Ersterer mit der „Nacht der langen Messer“ einen moralischen Bruch ge- schaffen hatte, mit dem das nationalsozialistische Deutschland von der gesamten aufständischen Zivilwelt im Namen der Menschlichkeit, wenn nicht im Namen der Christlichkeit abgeschnitten werden sollte, hatte Dollfuß, der sich mit blutendem Herzen einer Gewaltsituation stellen musste, der „rohen Gewalt“ die Gewalt des Gesetzes, sei sie auch erbarmungslos wie die Stimme des Geschützes entgegenge- setzt und die Verfassung geändert, um mit dem Gesetz den nationalsozialistischen Terrorismus zerschlagen zu können, der seinen „Haken-Kreuzzug“ gegen das christ- liche Österreich proklamiert hat. In dieser Dollfuß-Hitler-Antinomie, in dieser tragi- schen Gegenüberstellung zweier Männer des gleichen Alters und der gleichen Welt, schlussfolgerte De Mori, liest sich der Kontrast zweier Kulturen, der christlichen Kultur und der sich erhebenden und wütenden heidnischen Kultur81. In der gleichen Ausgabe der „Gioventù“ der Azione Cattolica verab- schiedete er Dollfuß mit einer kurzen redaktionellen Anmerkung als Held des Vaterlands, Held des Glaubens, der den neuen politischen Ordnungen seines Lands die eigenen sozialen Forderungen zugrunde gelegt hatte, die den Hass der Bösen her- vorriefen, der in den wiederholten terroristischen Attentaten sich entlud und letzt- endlich als Bote Christus, der auch in den Bereich der öffentlichen Tätigkeiten das Gute bringen wollte, das der christliche Gedanke für die schönsten und heiligsten Errungenschaften gibt82. Auch das Bild des „Märtyrer-Kanzlers“ wurde häufig von den katholischen Kommentatoren aufgegriffen. Zu diesen gehörten bei- spielsweise Mario Bendiscioli83 und der franziskanische Ordensbruder Be- nedetto Apuzzo, der sich der Übersetzung des Werks „Kanzler Dollfuß“ des 80 Enrico Rosa, Vita Ecclesiae, in: Studium 8–9 (1934) 528. Zum Thema siehe auch Tor- chiani, Mario Bendiscioli 131. 81 Giuseppe De Mori, Tempo di dittature (da Hitler a Dollfuss), in: Gioventù Italica 8 (1934) 240 ff. (Übers. d. Verf.) 82 Ebd. 244. (Übers. d. Verf.) 83 Bendiscioli, La vita interiore di Ignazio Seipel 252 und Ders., Dollfuss e la nuova Aus- tria, in: Tauscher, Eredità 18.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
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