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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Seite - 163 -
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163 Die katholische Welt Italiens und der christliche Ständestaat einzige totalitäre Partei, nicht den Prinzipien der päpstlichen Enzykliken nicht nach- kommt und an dem Dualismus von Gesellschaft und Staat festhält, welcher allein dem christlichen Konzept des Menschen entspricht106. Noch am 1. März 1938, am Vortag des „Anschlusses“, bekräftigte De Gasperi seine Sichtweise mit fol- genden Worten: Die Christlich-Soziale Partei ist wegen der auf die Umstände zurückzufüh- renden Forderungen nach einem autoritären Regime verschwunden, aber das Konzept lebt und nimmt Gestalt an. Dollfuß’ Testament zufolge soll es auf Quadragesimo anno aufbauen. Diese bezieht sich natürlich nicht auf das Re- gime, denn die Enzykliken liefern kein Konzept für ein politisches Statut; aber auf gesellschaftliche Richtlinien und Reformen: eine durch Freiheit gemäßigte Autorität, ein durch den katholischen Universalismus ausgewogener Natio- nalismus, eine zu einer historischen Mission erzogene Jugend.107 Abgesehen von der Aufmerksamkeit, mit der Persönlichkeiten wie Gonella und De Gasperi die Geschehnisse in Österreich weiterhin mehr oder weniger stetig verfolgten, lässt sich jedoch nicht leugnen, dass ab der zweiten Hälfte des Jahres 1935 in den katholischen Kreisen Italiens das Thema des „korpo- rativen und christlichen“ Regimes teilweise an Interesse zu verlieren schien, obgleich es in den zwei Jahren zuvor noch für so viel Begeisterung gesorgt hatte. Die Aufmerksamkeit konzentrierte sich schrittweise auf andere Ange- legenheiten, wie den Krieg zwischen Italien und Abessinien (dessen Rück- wirkungen bald auch im mitteleuropäischen Kontext zu spüren waren) und den darauffolgenden Ausbruch des Bürgerkrieges in Spanien108. Während die 106 Spectator, Quindicina internazionale, in: L’Illustrazione Vaticana, 1. Dezember 1936, nun in: Alcide De Gasperi, Scritti di politica internazionale 1933–1938, Bd. II (Città del Vati- cano 1981) 475. (Übers. d. Verf.) 107 Spectator, Quindicina internazionale, in: L’Illustrazione Vaticana, 1. März 1938, ebd. 642. Auch Gonella hatte am 26. Februar 1938 erklärt: „Von Dollfuß’ Programm gibt es kein Zurück. Das unabhängige, autonome, deutsche und christliche Österreich.“ Siehe Acta Diur- na, in: L’Osservatore Romano, 26. Februar 1938, nun in: Gonella, Verso 284). (Übers. d. Verf.) 108 Diesbezüglich aufschlussreich sind die Unterschiede in den Ansätzen von De Gasperi, der das ganze Jahr 1936 über den Geschehnissen in Österreich sehr wenig Platz in seinen „Quindicine“ eingeräumt hatte, und Gonella, der in den „Acta Diurna“ die Entwicklung der internen und internationalen österreichischen Politik entschieden beharrlicher betrachtet hatte. Die verlegerischen Entscheidungen der beiden Christdemokraten mit späterer Füh- rungsrolle gingen auf unterschiedliche Perspektiven, auf Basis derer man sich der interna- tionalen Politik näherte, zurück. Die von Gonella war zwangsläufig mehr auf die Aktualität
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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