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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Seite - 166 -
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166 Paolo Valvo wurde, nämlich dem späteren Erzbischof von Wien Kardinal Franz König (damals einunddreißig Jahre alt). In seinem Aufsatz – ein richtiges „Manifest“ der Organisation – betonte König die Distanz zwischen Neuland, dem Bund der neuen katholischen Studentenbewegung und der bereits älteren Organi- sation der katholischen Studenten (Cartellverband), der, mit seinem Konservatis- mus und alten studentischen Formen des vorigen Jahrhunderts, einen recht begrenz- ten Anteil an der Erneuerungsbewegung des intellektuellen Lebens Österreichs hat. In Bezug auf die von König bei der österreichischen Jugend wahrgenommene Spaltung zwischen den Befürwortern der (auch kulturellen) Vereinigung Ös- terreichs mit Deutschland und den Unterstützern der österreichischen Un- abhängigkeit als Land, das die germanische Kultur nach alter Bedeutung verteidigt, fiel seine Hervorhebung des Pangermanismus auf, in dessen Richtung die neue katholische Jugendbewegung ihre ersten Schritte unternommen hatte und sich weiterhin bewegte. Der erklärtermaßen gesamtdeutsche Ursprung der Bewegung hinderte ihren Vertreter jedoch nicht daran, sich für die Not- wendigkeit auszusprechen, auch den Horizont der katholischen Jugend an- derer Länder zu erweitern – im Hinblick auf die großen geistigen Kämpfe, die in Europa in den Folgejahren ausgetragen werden müssten, und auf die unver- meidbaren Entscheidungen, deren größte Verantwortung die Katholiken tragen müssten. Für König erschien in der Tat nichts wünschenswerter als eine stärkere Annäherung der jungen Katholiken der verschiedenen Nationen, besonders Italiens und Österreichs, zwischen denen bisher nur eine geringe Bindung besteht, um mit gemeinsamen Mitteln eine gemeinsame Aufgabe zu lösen. Daher die Einladung an jegliche Vertreter der italienischen Universitäten, sich zu uns zu begeben, um unser Leben persönlich kennenlernen zu können115. Möglicherweise waren die Redakteure von „Studium”, als sie den Bei- trag des österreichischen Priesters in die Rubrik „Lettere dall’estero“ aufnah- men, nicht vollständig über die Kontroversen bezüglich Neuland informiert, in die in diesem Augenblick sowohl der österreichische Episkopat als auch der Heilige Stuhl verwickelt waren. Jedenfalls fällt die Aufwertung einer Erfahrung auf, deren ideologische Koordinaten in mancher Hinsicht gegen- sätzlich zur bekräftigten kulturellen und religiösen Eigenheit Österreichs er- scheinen konnten, in der die katholische Welt Italiens in ihrer Gesamtheit 115 Franz König, La situazione spirituale della gioventù in Austria, in: Studium 6 (1936) 391. (Übers. d. Verf.)
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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