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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Seite - 189 -
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189 Franz Marek und der italienische Kommunismus In dieser Phase der Beziehungen zwischen den europäischen kommunisti- schen Parteien hatte die KPÖ, im Vergleich zu ihrer nationalen Bedeutung, eine überproportional große Rolle in der transnationalen Politik einnehmen können. Dies ging zu einem großen Teil auf Marek zurück. Er war nicht nur in der österreichischen Partei, sondern auch international ein wichtiger Re- former und Mann des Dialogs geworden. Der PCI setzte auf ihn als „Späher“ nach Osteuropa, wie die Frage um die Vorgänge in Polen von 1968 aufzeigt. PCI und Polnische Vereinigte Arbeiterpartei (PVAP) waren in den 1960er Jah- ren immer wieder in Konflikt geraten, was nicht zuletzt auf die unterschied- lichen Auffassungen zwischen Ost und West zurückging84. Als im Frühling 1968 in Polen eine Kampagne gegen den Zionismus stattfand, die offen antise- mitische Züge annahm85, wollte der PCI über die Lage informiert werden. Im Juni erreichte eine italienische Delegation Warschau. Doch die Erklärungen der polnischen Genossen halfen nicht, die Unsicherheit über ihr Handeln zu überwinden86. Sekretär Luigi Longo wandte sich in der Sache direkt an Ma- rek, in dessen Erinnerungen sich der italienische Parteiführer konsterniert über die konkreten Details zeigte, die auch Personen betrafen, die er persön- lich kannte87. Mareks Bedeutung wird auch durch seinen Briefwechsel mit seinem guten Freund, dem ZK-Mitglied Ernesto Ragionieri ersichtlich. Ihm gegenüber äußerte er: Sei froh, dass du auf der Reise von Moskau nach Prag nicht in Warschau wechselst – das ist wohl das Schlimmste, was in unserem Namen in den letzten 10 Jahren passierte.88 Marek ließ auch die Kollegen von „Il Contem- poraneo“, einer monatlichen Beilage von „Rinascita“, über die Vorkommnis- se informieren. Er hatte ein Dokument polnischer Provenienz nach Italien versandt, welches die Politik der kommunistischen Partei heftig kritisierte 84 Riunione della direzione, 12.2.1965, FIG, APCI, 1965, Direzione, 29, 569–580, Riunione della direzione, 2.3.1965, ebd., 581–607, Riunione della direzione, 8.3.1965, ebd., 608–623, Re- lazione della delegazione italiana alla commissione preparatoria della Conferenza mondiale dei partiti comunisti e operai, 24.–28. Marzo 1968, 2.5.1968, FIG, APCI, 1968, Esteri, mf. 553, 672–678. 85 “In Zehntausenden Parteiversammlungen forderten […] die ‘Aktivisten’ die Entfer- nung der ‘Unruhestifter’ aus ihren Stellen und die ‘Auswanderung’ der ‘Zionisten’”, zit. nach: Włodzimierz Borodziej, Geschichte Polens im 20. Jahrhundert (München 2010) 315. 86 Nota informativa sulle conversazioni politiche avute a Varsavia da A. Pecorari fra il 4 ed il 10 giugno [1968], FIG, APCI, Esteri, mf. 552, 2185–2187. 87 Marek, Erinnerungen 229. 88 Franz Marek an Ernesto Ragionieri, 6.5.[1968], Sesto Fiorentino, Biblioteca E. Ragionie- ri, Fondo Ernesto Ragionieri, Corrispondenza, No 1287.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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