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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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204 Maximilian Graf geschränktem Maße“, wie Michael Gehler dargelegt hat. Sein Fazit zum The- ma Kreisky und Italien lautet: „Abgesehen von seinem großen Engagement in der Südtirolfrage Ende der 1950er bis Mitte der 1960er-Jahre pflegte Kreisky nach dem für ihn bitteren und unverständlichen Scheitern des Verhandlungs- pakets mit Saragat ab 1965 ein wachsendes Desinteresse und eine bewusste Gleichgültigkeit bis hin zur innenpolitischen Obstruktion in der Oppositi- on (1966–1970) gegenüber der Südtirolpolitik der Bundesregierung mit der Konsequenz, dass auch seine Haltung gegenüber Italien von konsequenter Distanzwahrung begleitet war. Kreisky assoziierte mit Italien vor allem die Südtirolproblematik. Eine davon losgelöste, unabhängige oder eigenständige österreichische Italien-Politik-Konzeption war er weder bereit noch interes- siert zu entwickeln, solange die Südtirolfrage offen und schwebend war“3. Zwar besuchte Kreisky nach der „Paketlösung“ Anfang 1972 im Rahmen sei- ner der Förderung des später im Jahr geschlossenen österreichischen Frei- handelsabkommens mit der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft dienen- den Rundreise in die Hauptstädte der Mitgliedsstaaten am 7./8. April Rom4. Danach schlief die Besuchsdiplomatie aber ein und – wie zu zeigen sein wird – spätere Versuche, diese wieder zu beleben, scheiterten. Somit blieb Kreiskys Verhältnis zu Italien weiterhin vom Südtirolproblem überschattet: „Kreiskys Interesse an Italien war im Vergleich zu anderen Ländern und Fragen der Außenpolitik Österreichs klar untergeordnet. […] Die Südtirolfrage war in den 1960er und auch noch in den 1970er-Jahren die emotionale Barriere der zwischenstaatlichen Beziehungen. Sie blieb das entscheidende psychologi- sche Hemmnis für eine aktivere Italien-Politik Kreiskys, die bescheiden, um nicht zu sagen minimalistisch blieb. Das ist sehr bemerkenswert, handelte es sich doch bei Italien um den zweitgrößten Nachbarstaat Österreichs und nach Deutschland um den zweitwichtigsten Handelspartner. Auf der politischen ßenpolitik. Zwischen österreichischer Identität und internationalem Programm (Göttingen 2009). Zur österreichischen Außenpolitik siehe: Michael Gehler, Österreichs Außenpolitik der Zweiten Republik. Von der alliierten Besatzung bis zum Europa des 21. Jahrhunderts, 2 Bde. (Innsbruck 2005). 3 Michael Gehler, Bruno Kreisky, Italien und die Deutsche Frage, in: Italien, Österreich und die Bundesrepublik Deutschland in Europa. Ein Dreiecksverhältnis in seinen wechsel- seitigen Beziehungen und Wahrnehmungen von 1945/49 bis zur Gegenwart, hrsg. von Ders., Maddalena Guiotto (Wien–Köln–Weimar 2012) 173–208, für die wörtlichen Zitate 173 u. 208. 4 Luciano Monzali, Giulio Andreotti e le relazioni italo-austriache 1972–1992 (Meran 2015) 33–37.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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