Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Seite - 215 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 215 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert

Bild der Seite - 215 -

Bild der Seite - 215 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert

Text der Seite - 215 -

215 Bruno Kreisky und die italienische Linke – ein Forschungsdesiderat Für kommunistische Parteien ist es sehr viel leichter, alte leninistische For- meln, wie die von der Diktatur des Proletariats preiszugeben, als die Idee der europäischen Integration zu akzeptieren. Wobei ich die Frage der NATO-Zu- gehörigkeit der betreffenden Staaten gar nicht als die entscheidendste betrachte. Anschließend ging er auf die Position der Sozialdemokratie im Kontext die- ses Prozesses ein: „Wie immer man die Haltung der kommunistischen Parteien Südeuropas schließlich betrachten will: Wenn die Kommunisten ihre Grundsätze preis- geben, wenn die das, wofür sie jahrzehntelang eingetreten sind, heute ver- dammen, ist das ein Sieg des Kommunismus, wie die Konservativen immer wieder ankündigen? Haben wir Sozialdemokraten Anlaß zum Pessimismus in einer Zeit, in der – wir wiederholen es – die Zahl der Demokratien in Europa gewachsen ist, in einer Zeit, in der die kommunistischen Parteien leninisti- sches Gedankengut über Bord werfen und sich als Partner in demokratischer Auseinandersetzung anbieten? Es hat für sozialdemokratische Parteien nie eine Generallinie gegeben, und es darf auch in Zukunft keine geben. Wie eine demokratisch-sozialistische Partei glaubt ihre Politik gestalten zu müssen, kann nur von ihr selbst entschieden werden“.28 In der SI-Debatte über den „Eurokommunismus“ verhielt Kreisky sich also neutral, dem Prinzip gehorchend, dass diese ihren Mitgliedern keine Vor- schriften in dieser Frage zu machen hatte. Gleichzeitig kommunizierte er par- teiintern, dass die SPÖ bei ihrer Linie bleiben würde und hielt auch in seinen öffentlichen Stellungnahmen mit seinen Ansichten nicht hinter dem Berg. Zumindest Teile der SPD zeigten großes Interesse an seinen Positionen29 und er kommunizierte diese auch in Interviews mit deutschen Medien. Am 29. und 30. Juni 1976 fand in Ost-Berlin letztmals eine „Konferenz der kommunistischen und Arbeiterparteien Europas“ statt. Das sowjetorien- tierte Lager wollte mit der Konferenz eine Spaltung der kommunistischen Bewegung Europas verhindern. Die „eurokommunistisch“ orientierten Ver- 28 „Kurs auf die achtziger Jahre“. 23. Parteitag der Sozialistischen Partei Österreichs, Wien, 12. März 1976, in: Kreisky Reden, Bd. II. (Wien 1981) 550–573. 29 Horst Ehmke an Kreisky, Bonn, 9. April 1976, Persönlich!, handschriftlicher Vermerk Kreiskys: „Vertraulich!“, Kreisky Archiv, Korrespondenz.
zurück zum  Buch Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert"
Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Die schwierige Versöhnung