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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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215 Bruno Kreisky und die italienische Linke – ein Forschungsdesiderat Für kommunistische Parteien ist es sehr viel leichter, alte leninistische For- meln, wie die von der Diktatur des Proletariats preiszugeben, als die Idee der europäischen Integration zu akzeptieren. Wobei ich die Frage der NATO-Zu- gehörigkeit der betreffenden Staaten gar nicht als die entscheidendste betrachte. Anschließend ging er auf die Position der Sozialdemokratie im Kontext die- ses Prozesses ein: „Wie immer man die Haltung der kommunistischen Parteien Südeuropas schließlich betrachten will: Wenn die Kommunisten ihre Grundsätze preis- geben, wenn die das, wofür sie jahrzehntelang eingetreten sind, heute ver- dammen, ist das ein Sieg des Kommunismus, wie die Konservativen immer wieder ankündigen? Haben wir Sozialdemokraten Anlaß zum Pessimismus in einer Zeit, in der – wir wiederholen es – die Zahl der Demokratien in Europa gewachsen ist, in einer Zeit, in der die kommunistischen Parteien leninisti- sches Gedankengut über Bord werfen und sich als Partner in demokratischer Auseinandersetzung anbieten? Es hat für sozialdemokratische Parteien nie eine Generallinie gegeben, und es darf auch in Zukunft keine geben. Wie eine demokratisch-sozialistische Partei glaubt ihre Politik gestalten zu müssen, kann nur von ihr selbst entschieden werden“.28 In der SI-Debatte über den „Eurokommunismus“ verhielt Kreisky sich also neutral, dem Prinzip gehorchend, dass diese ihren Mitgliedern keine Vor- schriften in dieser Frage zu machen hatte. Gleichzeitig kommunizierte er par- teiintern, dass die SPÖ bei ihrer Linie bleiben würde und hielt auch in seinen öffentlichen Stellungnahmen mit seinen Ansichten nicht hinter dem Berg. Zumindest Teile der SPD zeigten großes Interesse an seinen Positionen29 und er kommunizierte diese auch in Interviews mit deutschen Medien. Am 29. und 30. Juni 1976 fand in Ost-Berlin letztmals eine „Konferenz der kommunistischen und Arbeiterparteien Europas“ statt. Das sowjetorien- tierte Lager wollte mit der Konferenz eine Spaltung der kommunistischen Bewegung Europas verhindern. Die „eurokommunistisch“ orientierten Ver- 28 „Kurs auf die achtziger Jahre“. 23. Parteitag der Sozialistischen Partei Österreichs, Wien, 12. März 1976, in: Kreisky Reden, Bd. II. (Wien 1981) 550–573. 29 Horst Ehmke an Kreisky, Bonn, 9. April 1976, Persönlich!, handschriftlicher Vermerk Kreiskys: „Vertraulich!“, Kreisky Archiv, Korrespondenz.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
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