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Maximilian Graf
Eine weitere Bewährungsprobe sah Kreisky in der Haltung des PCI zur euro-
päischen Integration und zur Außenpolitik Italiens im Falle einer Verschärfung
der Ost-West-Spannungen32.
Kreisky rechtfertigte seine weiterhin von großer Skepsis getragene
Haltung angesichts eines sonst in jenen Jahren recht dialogfreundlichen Um-
felds: Ich bin nicht aus Prinzip gegen den Dialog mit Kommunisten, sondern nur aus
pädagogischen Gründen, um andere davor zu bewahren, Opfer des Kommunismus
zu werden. Ja er sah sich gelegentlich sogar zu nachdrücklichen Warnungen
veranlasst:
Jedoch hört eine kommunistische Partei nicht deshalb grundsätzlich auf, kom-
munistisch zu sein, weil sie kein deutlich sichtbares Nahverhältnis zur Sow-
jetunion hat. Der Kommunismus tritt überall dort, wo es ihm möglich war,
an die Macht zu kommen, in der Erscheinungsform der Diktatur auf. Es gibt
keine andere Spielart des Kommunismus als diese. Es gibt bisher nirgends
einen demokratischen Kommunismus. Eine kommunistische Partei, die echt
diesen Versuch zur Demokratisierung unternehmen würde, müßte aufhören,
eine kommunistische Partei zu sein.33
Obwohl Kreisky gegenüber dem „Eurokommunismus“ sehr kritisch geblie-
ben war, erstreckte sich das europaweite Kontaktnetzwerk des PCI auch auf
die SPÖ. Vermutlich nicht zuletzt deshalb setzte sich Kreisky auch am 24. Par-
teitag der SPÖ im Mai 1978 ausführlich mit dem Kommunismus auseinander
und warnte die Parteimitglieder vor zu geringer Wachsamkeit. Angesichts
der italienischen Gemeindewahlen vom 14./15. Mai 1978, bei denen sich er
PCI nur geringfügig verbessern konnte, fragte er sich, ob nun nicht die „Euro-
kommunisten“ für das Abschneiden verantwortlich gemacht und es zu einem
Prozeß der Reversion der Revision kommen würde. In jenen Tagen bereiteten
ihm aber die Folgen des Linksterrorismus in Italien mehr Sorgen34. Am 9. Mai
war der am 16. März (dem Tag der geplanten erstmaligen Einbeziehung des
PCI in eine Regierung des DC) entführte italienische Ministerpräsident Aldo
32 Kreisky, Zeit 158 f.
33 Ebd.
34 24. Parteitag der Sozialistischen Partei Österreichs, Wien, 19. Mai 1978, in: Kreisky
Reden II. (Wien 1981) 730–746; Di Donato, I communisti 205.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918