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Maximilian Graf
Zurück in Wien berichtete Kreisky in seiner Kolumne im „Kurier“ über seine
italienische Winterreise. Das Europäische Hochschulinstitut bezeichnete er als
eine großartige Einrichtung und freute sich, dass seine Vorträge dort offenbar
gut angekommen waren. Fazit: Drei anregende und lehrreiche Tage habe ich dort
mit gescheiten Menschen verbracht. Den italienischen Ministerpräsidenten be-
zeichnete er als seinen alten Freund, über das Gespräch mit ihm merkte er an:
Ich verließ ihn mit dem Eindruck, daß die Probleme des Mittelmeerraums bei
ihm in guter Hand sind. Was umso bedeutungsvoller ist, da er ja tatsächlich zu
den verläßlichsten Bündnispartnern Amerikas gehört. Craxis Ziel ist die Be-
ruhigung der aufgeregten Gemüter – wo immer er dazu Gelegenheit hat. Für
italienische Verhältnisse ist er nun schon lange im Amt und hat, wie ich bei
einem Kongreß der größten italienischen Gewerkschaft selbst erleben konnte,
eine unglaubliche Popularität gewonnen – merkwürdigerweise bei der soge-
nannten Basis, die mit ihm politisch gar nicht so sehr übereinstimmt.78
Jedoch auch unter Craxi blieben Regierungskrisen nicht aus. Im Sommer
1986 musst er der DC zugestehen, das Amt des Ministerpräsidenten im März
1987 an Ciriaco De Mita zu übergeben. Craxi wollte diese Vereinbarung nicht
einhalten, daraufhin zog die DC ihre Minister aus der Regierung ab und er
konnte das endgültige Ende seiner Ministerpräsidentschaft im April 1987
nicht abwenden. Im 1988 erschienenen zweiten Band seiner Memoiren hielt
Kreisky fest:
Den weltweiten Kampf gegen den Kommunismus gewinnt man nicht mit
noch so wohlziselierten Reden gegen die „rote Gefahr“, sondern der Kampf
gegen den Kommunismus muß in jedem Staat in den Reihen derer gewon-
nen werden, die durch ihn am meisten gefährdet sind. Das scheint mir vor
allem jener Teil der Arbeiterschaft zu sein, der entweder arbeitslos ist oder
unter besonders schlechten ökonomischen Bedingungen lebt. Darum haben
sich Willy Brandt und Helmut Schmidt, Mitterrand und Gonzáles, Papan-
dreou und Craxi größere Verdienste in der weltweiten Auseinandersetzung
78 Bruno Kreisky, Zurück von einer italienischen Winterreise, in: Kurier (6. März 1985) 5.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918