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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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254 Andrea Di Michele tige Rolle spielen würden – dass die Habsburgermonarchie von der euro- päischen Landkarte verschwinden könnte, damit rechnete man nicht. Man ging vielmehr davon aus, dass Österreich-Ungarn im Donauraum und am Balkan weiterhin einflussreich bleiben würde. Das vom Krieg erschütterte Europa war dann völlig anders als man sich vorgestellt hatte. Italien wur- de ganz unverhofft zur Siegermacht, die plötzlich nach der Auflösung der Habsburgermonarchie keinen „Erbfeind“ mehr hatte.2 In dieser Situation er- öffneten sich einerseits neue und überraschende Perspektiven, da es darum ging, das politische Vakuum nach dem Zusammenbruch des Habsburger- reiches zu füllen. Andererseits ergaben sich aber auch neue und unerwartete Herausforderungen, die Italien rasch zu bewältigen hatte. In erster Linie war das neu gegründete Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, welches an der italienischen Ostgrenze lag und die von Italien angestrebten Gebiete angliedern wollte, die größte Herausforderung, die es durch neue Allianzen und Machtverhältnisse zu meistern galt. Vor diesem Hintergrund entwickelten sich die Beziehungen zwi- schen Italien und dem kleinen Staat Österreich, der nach dem Krieg ent- stand. Dieser Beitrag behandelt die Beziehungen zwischen Rom und Wien ab Ende 1918 bis zu den ersten Jahren des Faschismus. Dabei werden neue Aspekte sowie Annährungs- bzw. Spaltungselemente zwischen Italien und Österreich herausgearbeitet, wobei besonderes Augenmerk auf die Südtirol- frage gelegt wird. Im Mittelpunkt steht die Rolle der Italianisierung Südti- rols und deren Einfluss auf die bilateralen Beziehungen im Laufe der ersten Nachkriegsjahre. 1. Vertauschte Rollen Um das Wesen der Beziehungen zwischen Italien und Österreich während der Nachkriegszeit besser verstehen zu können, ist ein Vergleich zwischen den neuen Machtverhältnissen, die sich nach dem Krieg herauskristallisier- ten, und den alten Machtbeziehungen der Vorkriegszeit erforderlich. 2 Stefan Malfèr, Wien und Rom nach dem Ersten Weltkrieg. Österreichisch-italienische Beziehungen 1919‒1923 (Wien‒Köln‒Graz 1978) 11 f.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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