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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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255 Von der Annexion bis zur faschistischen Ära Vor dem Ersten Weltkrieg zählte die Habsburgermonarchie zu den europäi- schen Großmächten. Nach dem Krieg entstand an ihrer Stelle ein kleines Al- penland mit relativ geringem politischem Gewicht. Deutschösterreich stellte somit nur ein „Überbleibsel“ der alten Monarchie dar, nachdem die Völker des damaligen Habsburgerreiches die Gebiete der Doppelmonarchie unter sich aufgeteilt hatten, um eigene Nationalstaaten zu gründen.3 Gleichzeitig fand auch die Annexion jener Regionen statt, die von deutschsprachigen Volksgruppen besiedelt waren. Bei den Friedensverhandlungen musste Ös- terreich viele Abstriche machen und vor allem auf Südtirol verzichten. Hier lebte eine fast ausschließlich deutschsprachige Bevölkerung, die sich gegen die Abtretung Südtirols an Italien sträubte. Wien, die einstige Hauptstadt des Habsburgerreichs, zählte nun 1.800.000 Einwohner und wurde zur Haupt- stadt des neuen Staates Österreich, wo die Einwohnerzahl von 52.000.000 zur Zeit der Habsburgermonarchie auf knapp 6.110.000 zurückging4. Diese un- gleiche Verteilung war nicht nur zahlenmäßig relevant, sondern es herrsch- te auch eine destabilisierende politische und soziale Distanz zwischen Stadt und Land vor. Die Hauptstadt Wien mit ihrem internationalen, bürgerlichen, modernen und sozialistischen Charakter stand der konservativen und ka- tholischen Peripherie gegenüber. Auf politischer Ebene wurde die Distanz zwischen beiden Welten größer. Wien wurde zur Hochburg der Sozialdemo- kraten, während in den übrigen Ländern die Christlichsozialen bei den Land- tagswahlen meist die Mehrheit errangen. Indes war Österreich von gefähr- lichen Spannungen geprägt, die den Keim der Revolution säten, und musste auch die Unterbrechung der Lebensmittelversorgung aus den ehemaligen Ländern der Monarchie hinnehmen. Der große Binnenmarkt des Reiches war in viele nationale Binnenmärkte der Nachfolgestaaten aufgesplittert. Öster- reich konnte somit etliche Produkte – vor allem landwirtschaftliche Erzeug- nisse – nicht mehr aus den ehemaligen Kronländern beziehen5. Aufgrund der Lebensmittelknappheit kam es zu Aufständen, zu Überfällen auf Läden 3 Helmut Konrad, Wolfgang Maderthaner (Hg.), … der Rest ist Österreich. Das Werden der I. Republik (2 Bde) (Wien 2008). 4 Carlo di Nola, Italia e Austria dall’armistizio di Villa Giusti (Novembre 1918) all’An- schluss (Marzo 1938) (Milano–Roma–Napoli–Città di Castello 1960) 6; Edgard Haider, Wien 1918. Agonie der Kaiserstadt (Wien–Köln–Weimar 2017). 5 Siehe dazu Pasquale Cuomo, Il miraggio danubiano. Austria e Italia politica ed econo- mia 1918–1936 (Milano 2012) 79.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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