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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Seite - 263 -
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263 Von der Annexion bis zur faschistischen Ära hauptstadt ein Ausgangspunkt für weiterreichende Initiativen in Tirol und ganz Österreich war. In Innsbruck herrschte aufgrund der anhaltenden Hun- gersnot Chaos, Lebensmittelgeschäfte wurden geplündert, daher schätzen die lokalen Institutionen die Anwesenheit der italienischen Soldaten, weil sie die Ordnung wiederherstellten. Auch stellte Italien die Lebensmittelversor- gung der Innsbrucker Bevölkerung sicher. In der italienischen zivilen und militärischen Führung setzte sich bald die Überzeugung durch, dass man die Schwäche Österreichs ausnützen sollte, indem man die öffentliche Ordnung und die Lebensmittelversorgung garantierte. Italien erhielt dadurch eine po- litische und wirtschaftliche Schutzmachtfunktion. Vor allem im Bereich von Finanzwesen, Wasser, Strom, Eisenbahn und Immobilien boten sich Italien in Nordtirol interessante und aussichtsreiche Investitionsmöglichkeiten. Lui- gi Credaro, Zivilkommissar des Tridentischen Venetiens, fasste die Situation folgendermaßen zusammen: Dass wir uns mit Banken und Finanzinstituten dauerhaft im Inntal nieder- lassen, liegt schließlich auch im Interesse unserer Nation. Unsere militärische Verstärkung in den tridentinischen Alpen wird in Zukunft weniger Erfolg haben, wenn wir uns nicht in das ökonomische Leben Tirols jenseits der Alpen einfügen, denn hier werden Italiener und Germanen zusammentreffen. Sehr bald könnte der Tag kommen, an dem die Italiener es bereuen werden, nicht von dieser außergewöhnlich günstigen Lage, die sich aus der schlimmen Le- bensmittelversorgung der Inn-Region ergab, profitiert zu haben, um nach- haltige soziale und wirtschaftliche Beziehungen mit der Tiroler Bevölkerung aufzubauen. Der Zeitpunkt könnte günstigster nicht sein. Mit relativ wenig Aufwand können wir die engen Beziehungen, die unsere Soldaten mit Tirol, dem Wachposten des Deutschtums schlechthin, aufgebaut haben, vertiefen und befestigen. Großzügigkeit, Weitblick und Einsatzbereitschaft sind dafür gefragt.25 Man wollte die Gelegenheit nützen, um sich in Tirol und in ganz Österreich wirtschaftlich und politisch zu etablieren. In Wien war seit 28. Dezember 25 Rundschreiben Credaros an Außenminister und Ministerpräsident, 4. Mai 1920, in: Archivio storico diplomatico del ministero degli Affari esteri, Roma (ASMAE), Affari politici 1919–1930, Austria, b. 813, fasc. 1007. (Übers. d. Verf.)
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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