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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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267 Von der Annexion bis zur faschistischen Ära 3. Ursachen der Distanzierung Trotz aller Bemühungen um eine Annäherung zwischen Wien und Rom, Spannungen und Gegensätze blieben dennoch bestehen. Zunächst bestand ein grundlegender Widerspruch darin, dass Rom in Bezug auf Wien einer- seits eine „freundschaftliche Strategie” in Form materieller Hilfe und poli- tischer Unterstützung verfolgte. Andererseits war Italien aber nicht bereit, auf seine Rechte als Sieger zu verzichten. Wie Sonnino in einem Telegramm nach Wien vom 27. Februar 1919 betonte, sollte der Wunsch, Österreich für sich zu gewinnen und so den Weg für eine freundschaftliche Beziehung und Zusammenarbeit zu ebnen, uns jetzt nicht von unserem Standpunkt abweichen lassen, der uns durch unseren Sieg zuteil wurde. Ebenso wenig sollten wir auf ange- messene Reparationsleistungen künstlerischer und wirtschaftlicher Art verzichten35. Italien gewährte also zum einen Nahrungsmittelhilfe, zum anderen war man aber nicht bereit, auf Kriegsentschädigungen zu verzichten. Als Italien im Jänner 1921 finanzielle Auflagen für die Unterstützung der Projekte für den wirtschaftlichen Wiederaufbau Österreichs erhielt, kam der Finanzminister nicht umhin, enttäuscht darauf hinzuweisen, dass man ein Land ernähre, von dem wir, laut den Verträgen, Reparationszahlungen fordern sollten anstatt dem Land unbegrenzte Beihilfen zu geben36. Die Politik Italiens schwankte also zwischen dem Wunsch, durch großzügige Hilfsleistungen eine ausgezeichnete Beziehung zu Österreich aufzubauen und dem Willen, nicht auf die Rechte zu verzichten, die ihm auf- grund seines Sieges zustanden. Jegliche Aufforderung zu einer Garantie für die Rechte der Südtiroler Minderheit wurde als unzulässig eingestuft, auch auf die Übergabe von Waffen und Kunstwerken an Italien wollte man nicht verzichten. Somit wurde Österreich aus Sicht Italiens dann doch nicht zum Partner, sondern zum besiegten Land, das für die Niederlage bezahlen muss- te, die italienische Politik war also voller Widersprüche. Wie Segre, dem die Unmöglichkeit der Forderungen Italiens klar war, darlegte, war es notwendig, dass das neue Österreich jedoch – neben unserem unterdrückten Willen, das zu er- 1996); Giulia Caccamo, L’occupazione italiana della Carinzia, in: Italia contemporanea 60 (2009) 461–469. 35 DDI, Sesta serie: 1918–1922, vol. II (Roma 1980) 540. (Übers. d. Verf.) 36 Zitiert nach Bonini, La politica d’influenza 63. (Übers. d. Verf.)
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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