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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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269 Von der Annexion bis zur faschistischen Ära einer politischen Annäherung an Österreich stand auf dem Spiel. Einerseits wollte man die Republik Österreich als neuen Staat anerkennen, andererseits behandelte man es aber dann doch wieder als Nachfolgestaat der Habsbur- germonarchie und als ehemaligen Feind, der für den von ihm verschuldeten Krieg zu bezahlen hatte. Noch viel mehr als die Reparationsleistungen und die Rückführung der Kulturgüter trennte aber die Südtirolfrage die beiden Länder. Die An- eignung der deutschsprachigen Gebiete südlich des Brenners durch Italien musste unweigerlich zu Spannungen mit dem neuen Österreich führen, für das der Verlust Südtirols der wohl schmerzhafteste war. Wie Francesco Save- rio Nitti in einem Brief, den er im Juli 1919 als Interims-Außenminister nach Wien schickte, erläuterte, war es für Italien undenkbar, eine Diskussion mit Österreich zu führen, welche die vollständige Souveränität Italiens über Südtirol in Frage stellte42. Dies bedeutete explizit, dass jegliche internationale Garantie zum Schutze der nationalen Interessen der deutschsprachigen Bevölkerungs- gruppe Südtirols abgelehnt wurde. Die Hoffnungen Bauers, sich mit Italien über eine gemeinschaftliche Verwaltung Südtirols zu einigen, schwanden sehr schnell und somit auch jene eines Verbleibs Südtirols im österreichischen Zollgebiet oder die Zugehörigkeit zu Österreich durch eine Neutralisierung ganz Tirols43. Auch das österreichische Memorandum, das am 16. Juni 1919 in Paris vorgelegt wurde, enthielt diese Vorschläge. Italien war als Sieger aber nicht zu Zugeständnissen hinsichtlich der Brennergrenze bereit – und dies umso weniger als man über die Pariser Entscheidungen hinsichtlich der ita- lienischen Ostgrenze schwer enttäuscht war und diese zumindest teilweise durch das Beharren auf der Brennergrenze kompensieren wollte. Südtirol wurde also zu einem unangenehmen Thema, das die guten Beziehungen zwischen den beiden Ländern bedeutete. Der Besuch des öster- reichischen Staatskanzlers Karl Renner beim italienischen Ministerpräsiden- ten Francesco Saverio Nitti am 12. April 1920 in Rom erhielt somit eine beson- dere Bedeutung. Renner stellte schon in der Vorbereitungsphase klar, dass er 42 Zit. nach Haas, Le relazioni italo-austriache 419. (Übers. d. Verf.) 43 Mario Toscano, Storia diplomatica della questione dell’Alto Adige (Bari 1967) 33 ff.; Haas, Le relazioni italo-austriache 419 f.; Curato, Le relazioni italo-austriache 452; Rudolf Neck, Il trattato di Saint-Germain, in: Storia e Politica 12/3 (1973) 458–466; Lajos Kerekes, Von St. Germain bis Genf: Österreich und seine Nachbarn 1918–1922 (Wien–Köln–Graz 1979).
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
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