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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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271 Von der Annexion bis zur faschistischen Ära ne Interessen schützt und damit Österreich hilft. Wir behaupten, dass Österreich eine gute Schachfigur in unserem Spiel sein wird.46 Nach dem Marsch auf Rom wurden unter den Trentiner Faschisten Stimmen laut, die der Auffassung waren, dass die Italianisierung Südtirols sofort umgesetzt werden müsse, um von der Schwäche Österreichs und Deutschlands zu profitieren. Man war sich darüber im Klaren, dass die- ser Zustand nicht von ewiger Dauer sein werde, vor allem im Hinblick auf Deutschland47 – was sich 1925 bei der Wahl Hindenburgs zum Reichspräsi- denten zeigte. Das aggressive politische Vorgehen der Faschisten in Südtirol führte zu einer Verschlechterung der Beziehungen zu Österreich. Innerhalb weniger Jah- re wurde der deutschsprachige Unterricht abgeschafft und der Gebrauch der deutschen Sprache bei öffentlichen Ämtern und Behörden untersagt. Die Orts- namen wurden italianisiert, die deutschsprachige Elite wurde aus ihren Posi- tionen verdrängt. Nördlich des Brenners, in Österreich und auch in Deutsch- land, führte das zu heftiger Kritik an Italien. Der Faschismus verstärkte die Wi- dersprüche, die bereits im liberalen Italien existierten. Man strebte gute Bezie- hungen zum österreichischen Nachbarn an, ohne aber die Siegerrechte infrage zu stellen. Dazu zählt die vollständige Kontrolle über Südtirol, die durch die Anpassung der ethnischen Herkunft der Bevölkerung Südtirols erreicht wer- den sollte. Wie der italienische Botschafter in Wien in einem Schreiben an Mus- solini 1928 klar fast schon brutal zum Ausdruck brachte: Italien möchte mit allen gut auskommen, aber es möchte diese Absicht nicht seinen wichtigsten moralischen und materiellen Interessen unterordnen. Zu diesen zählt, Südtirol seinen italienischen Charakter zurückzugeben. Italien kann keinem Staat, und schon gar nicht Österreich, das Recht zuerkennen, sich wenn auch nur verbal in seine inneren Angelegenheiten einzumischen und zu versuchen, seiner Souveränität zu schaden48. 46 „Il Popolo d’Italia“, 24. August 1922 zit. in Malfèr, Un programma escluso oppure prolungato? 133. (Übers. d. Verf.) 47 Angelo Ara, L'Alto Adige come problema della politica interna ed estera fascista, in: Clio 3 (1973) 343 f. und in: Ders., Fra Austria e Italia. Dalle Cinque Giornate alla questione alto-atesina (Udine 1987) 329–338. 48 Zitiert nach Ennio Di Nolfo, I rapporti austro-italiani dall’avvento del fascismo all’Anschluss (1922–1938), in: Storia e politica 13/1–2 (1974) 33–81, hier: 36. (Übers. d. Verf.)
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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