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Von der Annexion bis zur faschistischen Ära
ne Interessen schützt und damit Österreich hilft. Wir behaupten, dass Österreich eine
gute Schachfigur in unserem Spiel sein wird.46
Nach dem Marsch auf Rom wurden unter den Trentiner Faschisten
Stimmen laut, die der Auffassung waren, dass die Italianisierung Südtirols
sofort umgesetzt werden müsse, um von der Schwäche Österreichs und
Deutschlands zu profitieren. Man war sich darüber im Klaren, dass die-
ser Zustand nicht von ewiger Dauer sein werde, vor allem im Hinblick auf
Deutschland47 – was sich 1925 bei der Wahl Hindenburgs zum Reichspräsi-
denten zeigte.
Das aggressive politische Vorgehen der Faschisten in Südtirol führte zu
einer Verschlechterung der Beziehungen zu Österreich. Innerhalb weniger Jah-
re wurde der deutschsprachige Unterricht abgeschafft und der Gebrauch der
deutschen Sprache bei öffentlichen Ämtern und Behörden untersagt. Die Orts-
namen wurden italianisiert, die deutschsprachige Elite wurde aus ihren Posi-
tionen verdrängt. Nördlich des Brenners, in Österreich und auch in Deutsch-
land, führte das zu heftiger Kritik an Italien. Der Faschismus verstärkte die Wi-
dersprüche, die bereits im liberalen Italien existierten. Man strebte gute Bezie-
hungen zum österreichischen Nachbarn an, ohne aber die Siegerrechte infrage
zu stellen. Dazu zählt die vollständige Kontrolle über Südtirol, die durch die
Anpassung der ethnischen Herkunft der Bevölkerung Südtirols erreicht wer-
den sollte. Wie der italienische Botschafter in Wien in einem Schreiben an Mus-
solini 1928 klar fast schon brutal zum Ausdruck brachte: Italien möchte mit allen
gut auskommen, aber es möchte diese Absicht nicht seinen wichtigsten moralischen
und materiellen Interessen unterordnen. Zu diesen zählt, Südtirol seinen italienischen
Charakter zurückzugeben. Italien kann keinem Staat, und schon gar nicht Österreich,
das Recht zuerkennen, sich wenn auch nur verbal in seine inneren Angelegenheiten
einzumischen und zu versuchen, seiner Souveränität zu schaden48.
46 „Il Popolo d’Italia“, 24. August 1922 zit. in Malfèr, Un programma escluso oppure
prolungato? 133. (Übers. d. Verf.)
47 Angelo Ara, L'Alto Adige come problema della politica interna ed estera fascista, in:
Clio 3 (1973) 343 f. und in: Ders., Fra Austria e Italia. Dalle Cinque Giornate alla questione
alto-atesina (Udine 1987) 329–338.
48 Zitiert nach Ennio Di Nolfo, I rapporti austro-italiani dall’avvento del fascismo
all’Anschluss (1922–1938), in: Storia e politica 13/1–2 (1974) 33–81, hier: 36. (Übers. d. Verf.)
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Title
- Die schwierige Versöhnung
- Subtitle
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Authors
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Editor
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Publisher
- Bozen-Bolzano University Press
- Location
- Bozen
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Size
- 16.0 x 23.0 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Categories
- Geschichte Nach 1918