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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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304 Jörg Ernesti eigene Kurie gehabt und war als Sitz eines Weihbischofs relativ unabhängig gewesen. Die Situation wurde dadurch noch komplizierter, dass die Mehrheit der Deutsch-Südtiroler in den zehn Dekanaten lebte, die auch bisher schon zum Bistum Trient gehört hatten, darunter die Bevölkerung des Etschtals mit Bozen und Meran und des Vintschgaus. Hier war bislang eine gewisse Eigen- ständigkeit durch einen deutschen Kapitelsvikar und eine deutschsprachige Priesterausbildung gewährleistet gewesen. Wie würde es nun unter italieni- scher Herrschaft weitergehen? Den alten Fürstbistümern Trient und Brixen war es nach der Säkulari- sation von 1803 im Vergleich zu den anderen Fürstbistümern im Heiligen Rö- mischen Reich Deutscher Nation verhältnismäßig gut ergangen. Die Bischöfe hatten ihren Titel behalten können. Der Brixner musste seine Residenzen, die Hofburg und Schloss Bruneck, nicht aufgeben. Das Brixner Domkapitel und der Bischöfliche Stuhl hatten ihren umfangreichen Besitz (v.a. Wälder) be- halten können. Bedeutende Stiftungen gewährleisteten die Seelsorge in den Dörfern und Städten. Würde Italien die kirchlichen Rechtsverhältnisse un- berührt lassen? Immerhin wurde seit 1919 von der Regierung die congrua, der Beitrag zum Unterhalt des Klerus, der allen italienischen Diözesen zustand, nach Brixen überwiesen. Der spätere Salzburger Erzbischof Sigismund Waitz, seit 1913 Weih- bischof und Generalvikar von Brixen mit Sitz in Feldkirch, nahm unmittelbar nach Kriegsende Fühlung zu den Siegermächten auf. Er gehörte zeitweise zu den Hauptbefürwortern der Schaffung eines neutralen Freistaates bzw. Fürstentums Tirol mit einem Habsburger an der Spitze8. Als junger Priester war er von Aemilian Schöpfer, dem Pionier des Tiroler Pressewesens, zum Chefredakteur der „Brixner Chronik“ ernannt worden. Beide einte ihr Enga- gement in der christlich-sozialen Bewegung. Waitz konnte erreichen, dass der Nuntius bei der italienischen Regierung vorstellig wurde, um den Plan eines Freistaats vorzutragen. Erreichen ließ sich freilich nichts. Waitz wandte sich auch an den abgedankten Kaiser Karl im Schweizer Exil. Dieser appellierte im Sommer 1919 an den Münchner Nuntius Eugenio 8 Helmut Alexander, Sigismund Waitz. Vom Brixner Weihbischof und Generalvikar von Vorarlberg zum Apostolischen Administrator von Innsbruck-Feldkirch, in: Sigismund Waitz. Seelsorger, Theologe und Kirchenfürst, hrsg. von Ders. (Innsbruck et al. 2010) 173–224; Hans Jablonka, Waitz – Bischof unter Kaiser und Hitler (Wien 1971); Richard Schober, Die Tiroler Frage auf der Friedenskonferenz von St. Germain (Innsbruck 1982) 202–317.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
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