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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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306 Jörg Ernesti der kirchlichen Verhältnisse angegangen, indem man einerseits die eigene Unparteilichkeit demonstrierte, andererseits einer weiteren politischen Ent- wicklung nicht vorgriff13. Als Entgegenkommen in Richtung der italieni- schen Regierung wird man zu deuten haben, dass die seit der ottonischen Zeit bestehende Verbindung Brixens mit dem Erzbistum Salzburg, dem Sitz des Primas Germaniae, gekappt wurde (1920 für Brixen, 1921 für Trient). Die Ausübung kirchlicher Jurisdiktion durch Ausländer wäre im politischen Rom nicht vermittelbar gewesen. Freilich wurde vorerst keine neue Kirchen- provinz geschaffen, sondern es wurden Brixen und Trient direkt dem Heili- gen Stuhl unterstellt – aus kirchenrechtlicher Sicht ein Provisorium, das in der gegenwärtigen Situation gut geeignet schien14. Den Österreichern kam der Heilige Stuhl dadurch entgegen, dass die Gebiete nördlich des Brenners vorerst nicht in den Rang einer eigenen Diözese erhoben wurden, sondern in Innsbruck lediglich ein Apostolischer Administrator eingesetzt wurde, der direkt dem Heiligen Stuhl unterstellt blieb und quasi die Kompetenzen eines Ortsordinarius hatte. Am 21. März 1921 erhielt der österreichische Teil der Diözese Brixen den Titel Apostolische Administratur Innsbruck-Feldkirch. Die Priester konnten selbst entscheiden, ob sie nördlich oder südlich des Brenners tätig sein wollten. Damit war die Bistumseinheit formell gewahrt. Der Vatikan blieb kon- sequent auf dem einmal eingeschlagenen Weg, mit einer dann nicht mehr provisorischen Neuordnung der Bistumsgrenzen zuzuwarten, bis der poli- tische Konflikt um Südtirol endgültig beigelegt war. Erst 1964 sollte es zur Neugründung des Bistums Brixen in den Grenzen der Provinz Südtirol, der Gründung einer Diözese Innsbruck und der Einrichtung einer Kirchenpro- vinz Trient mit dem einzigen Suffraganbistum Brixen kommen. Der Vatikan greift grundsätzlich territorialen Regelungen zwischen Staaten nicht durch eigene Grenzziehungen vor, wie man sehr anschaulich im Hinblick auf den Parallelfall DDR zeigen kann. Auch dort blieben die ostdeutschen Territorien mit den westdeutschen Mutterdiözesen nominell verbunden, gleichzeitig 13 Gianni Faustini, Die katholische Kirche als Institution. Das langwierige Problem der Diözesangrenzen, in: Die Region Trentino-Südtirol im 20. Jahrhundert, Bd. 1 (= Pubblicazioni del Museo Storico in Trento: Grenzen 5), hrsg. von Giuseppe Ferrandi (Trient 2007) 657–667. 14 Scottà, Diario del Barone Carlo Monti (2) 518 (18.12.1919); Acta Apostolicae Sedis 13 (1921) 226 (25.4.1921).
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
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