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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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313 Die katholische Kirche in Südtirol 1918–1940 4. Nach den Lateranverträgen von 1929 Anders als die anderen nicht-faschistischen Organisationen, die 1928 durch Mussolini verboten worden waren, genoss die Katholische Aktion den Rechts- schutz des Konkordats von 1929. Besonders die katholische Jugend in Südtirol wurde zum Ort der Pflege deutscher Kultur. Hier taten sich besonders der Bozner Priester Josef Ferrari, Diözesanassistent der Katholischen Aktion, und der Bozner Jugendführer Josef Mayr-Nusser hervor, die die jungen Leute zu mobilisieren wussten. Letzterer wurde 1944 zur SS eingezogen und starb als Märtyrer, da er den Eid verweigerte31. War nach dem Konkordat zeitweise wieder deutscher Religionsunter- richt an den Schulen erteilt worden, wurden schon ab 1932 verstärkt italieni- sche Priester angestellt, um den Unterricht zu erteilen32. Mit der massenhaf- ten Ansiedlung von italienischen Arbeitern und ihren Familien, v.a. in Bozen, stellte sich allmählich auch das Problem der seelsorglichen Betreuung der Katholiken italienischer Sprache, besonders in der Provinzhauptstadt Bozen. Es fehlte nicht an italienischen Priestern, die mit den neuen Bürger aus dem Süden gekommen waren. In der Anfangszeit konnten in den bestehenden Kirchen problemlos auch Messen in italienischer Sprache gefeiert werden33. Nach dem Konkordat konnte die Regierung nun nicht mehr auf ei- nen Bischof mit italienischer Muttersprache bestehen, sondern allenfalls die Kenntnis des Italienischen verlangen. Am 2. April 1930 wurde Dr. Johan- nes Geisler, Professor am Priesterseminar Brixen, zum Bischof ernannt34. Während seines Studiums im Germanikum in Rom hatte der gebürtige Zil- lertaler das Italienische erlernt. Gegenüber dem Regime zeigte er sich zu- nächst verständigungsbereit. Bezugnehmend auf sein Wappen, das zwei ver- schränkte Hände zeigt, formulierte er in seinem ersten Hirtenbrief: Die Liebe darf nicht eingeschränkt sein auf Rassen oder Klassen oder Parteien oder Blutsver- wandte oder Freunde – sie muss allgemein sein, sie muss sich auf alle erstrecken, die 31 Piersandro Vanzan, Josef Mayr-Nusser. Obiettore di coscienza e martire, in: La Civiltà Cattolica 159 (2008) 39–48. 32 Gruber, Südtirol unter dem Faschismus 159–163. 33 Die Anfänge der Seelsorge in italienischer Sprache und der Aufbau pfarrlicher Struktu- ren stellen ein Desiderat der Forschung dar. 34 Josef Gelmi, Fürstbischof Johannes Geisler (1882–1952). Eines der dramatischsten Kapi- tel der Südtiroler Geschichte (Brixen 2003).
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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