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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Seite - 323 -
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323 Die Revision der Staatsbürgerschaftsoptionen von 1939 78.000 Personen, wanderte tatsächlich aus. In der Heimat blieben ca. 150.000 Optanten, von denen wiederum ein schwaches Drittel von Deutschland ein- gebürgert wurde5. In der nördlichsten Provinz Italiens herrschte somit nach Kriegsende eine für den Staat beunruhigende Situation, da ein großer Teil der Bevölke- rung nicht im Besitz der italienischen Staatsbürgerschaft war. Die Regierung musste bestrebt sein, eine Normalisierung des sozialen, wirtschaftlichen und politischen Lebens in der Grenzprovinz herbeizuführen, zunächst lag ihr aber vor allem daran, die Brennergrenze für Italien zu sichern. Zu diesem Zweck instrumentalisierte Außenminister bzw. Ministerpräsident Alcide De Gasperi das Optantenproblem nachdrücklich, indem er die Staatsbürger- schaftsoption von 1939 einer eigenen und auch anfechtbaren, weil stark ver- kürzten Interpretation unterwarf. Nach De Gasperi bedeuteten die Optionen keineswegs eine Entscheidung für die Umsiedlung in das „Reich“, sondern waren als ein freiwilliges Bekenntnis zum Nationalsozialismus zu werten6. Durch diese Auslegung der Optionen sollte die Mehrheit der Südtiroler und deren Ansinnen auf Selbstbestimmung desavouiert werden. De Gasperi befürchtete, die Alliierten könnten die Zukunft Südtirols mittels einer Volksabstimmung entscheiden. In dieser Situation kam ihm die ungeklärte Staatsbürgerschaft der Optanten gelegen, denn es war klar, dass an einer etwaigen Volksabstimmung nur italienische Staatsbürger teilneh- men könnten. Um die deutsch- und ladinischsprachige stimmberechtigte Bevölkerung gegenüber der italienischen in die Minderheit zu drängen und dadurch eine eventuelle Zustimmung für die Beibehaltung der Brennergren- ze zu erreichen, erachtete De Gasperi nicht nur die einst von Deutschland 5 Zur Südtiroler Option und Umsiedlung u.a. Karl Stuhlpfarrer, Umsiedlung Südti- rol 1939–1940, 2 Bde. (Wien–München 1985); Leopold Steurer, Südtirol zwischen Rom und Berlin (Wien–München–Zürich 1980); Die Option. 1939 stimmten 86 % der Südtiroler für das Aufgeben ihrer Heimat. Warum? Ein Lehrstück in Zeitgeschichte, hrsg. von Reinhold Mess- ner (München–Zürich 1989); Heimatlos. Die Umsiedlung der Südtiroler, hrsg. von Helmut Alexander, Stefan Lechner, Adolf Leidlmair (Wien 1993); Federico Scarano, Tra Hitler e Mussolini. Le opzioni dei sudtirolesi nella politica estera fascista (Milano 2012). 6 Noch am Tag der Unterzeichnung des Pariser Abkommens erklärte De Gasperi in einer internen Besprechung der italienischen Delegation in Paris, „objektiv gesehen“ müsse man zugegen, dass die Nazis und Faschisten großen Druck ausgeübt hätten, für Deutsch- land zu optieren. Protokoll der Besprechung der italienischen Delegation in Paris, Paris, 5. 9. 1946, in: I documenti diplomatici italiani, Decima serie: 1943–1948, Bd. IV, 13 luglio 1946–1º febbraio 1947, hrsg. von Ministero degli Affari Esteri. Commissione per la pubblicazione dei documenti diplomatici (Roma 1994) (künftig: DDI X/4) Dok. 261, 312.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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