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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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339 Die Revision der Staatsbürgerschaftsoptionen von 1939 terien zu den Ausschlussgründen boten jedenfalls einen gewissen Interpretati- onsspielraum. Nach Viktoria Stadlmayer hatte die SVP mit der Zurückweisung des zuvor mitbeschlossenen Innocenti-Entwurfes eine „weise Entscheidung“ getroffen, da ein sofortiges Inkrafttreten des Gesetzes nicht ausdrücklich vor- gesehen gewesen wäre87. Dies heißt aber nicht, dass eine zeitnahe Umsetzung nicht trotzdem hätte erfolgen können. So ist letztlich wohl dem Resümee des po- litisch gemäßigten Raffeiner zuzustimmen, die SVP habe durch die Ablehnung des bereits beschlossenen Optantengesetzes von 1946 einen Fehler gemacht88. Auch der Hardliner Otto von Guggenberg war dieser Ansicht. Noch vor Abschluss der Verhandlungen meinte er, die SVP hätte den Entwurf von 1946 akzeptieren und nicht auf Grubers Versicherungen bauen sollen, er wür- de eine bessere Lösung erzielen. Ein ganzes Jahr sei verloren worden, ein Jahr, in dem Optanten aus der lokalen Administration entlassen und durch Italiener ersetzt worden seien89. In den römischen Verhandlungen machte Italien noch einige kleine- re Zugeständnisse und sicherte faire Verfahren zu. Der Artikel zu den Aus- schlussgründen wurde aber keineswegs aufgeweicht90. Das von Österreich und der SVP verfolgte Ziel, die Optionen von 1939 mit einem Federstrich für null und nichtig zu erklären, konnte nicht erreicht werden. Ausschlaggebend für die Einschätzung, dass das Optantendekret in Durch- führung des Pariser Abkommens die schlechtere Lösung war als der zwischen Bozen und Rom im Vorfeld vereinbarte Entwurf von 1946 ist der Faktor Zeit. Das Optantendekret vom Februar 1948 kam vor allem für die umgesiedelten Südtiroler zu spät, zumal der Rückkehrwunsch nach Südtirol im Laufe der Jahre stetig schwächer wurde. Bereits Anfang 1947 hatte ca. ein Drittel der Süd- tiroler in Österreich erklärt, dort bleiben zu wollen91. Deshalb regte die SVP 87 Stadlmayer, Kein Kleingeld im Länderschacher 230. 88 Diese Einschätzung teilt auch Leopold Steurer. Steurer, Südtirol 1943–1946, 97; auch Günther Pallaver, Leopold Steurer, Ich teile das Los meiner Erde/Condividerò la sorte della mia terra. August Pichler 1898–1963 (Bozen 1998) 110. 89 Edgeworth Murray Leslie, Bericht über die Beratung von SVP-Vertretern mit Gruber in Wien, 7. 9. 1947, in: Gehler, Akten zur Südtirol-Politik 2, Dok. 280, 574. 90 Im Vergleich zum Entwurf von 1946 wurden nun auch zentrale Befehlshaber des Si- cherungs- und Ordnungsdienstes (SOD) einbezogen. 91 Stefan Lechner, Helmut Alexander, Die Rücksiedlung, in: Heimatlos. Die Umsied- lung der Südtiroler, hrsg. von Helmut Alexander, Stefan Lechner, Adolf Leidlmair (Wien 1993) 181–271, hier 183; auch Raffeiner, Tagebücher, Eintrag vom 10. 8. 1948, 415.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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