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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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344 Peter Thaler deutschen Sprachraum8. Der Österreichisch-Deutsche Volksbund, dem sich führende Politiker aller großen Parteien zur Förderung des Anschlussgedan- kens angeschlossen hatten, umfasste 1930 über eine Million Mitglieder, wobei allerdings der korporative Beitritt von ganzen Organisationen berücksichtigt werden muss9. Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme in Deutschland än- derten sich auch die Rahmenbedingungen des deutsch-österreichischen Ver- hältnisses. Ein Zusammenschluss der beiden Staaten hätte nicht mehr zwei demokratische Gesellschaften miteinander verbunden, sondern die Einglie- derung Österreichs in die nationalsozialistische Diktatur bedeutet. Sowohl Christlichsoziale wie Sozialdemokraten suspendierten daher ihre Anschluss- forderungen. Vor allem die Sozialdemokraten machten dabei aber klar, dass dies keineswegs als dauerhafte Abwendung von Deutschland zu verstehen sei. Vielmehr wolle man Österreich dadurch als Zufluchtsstätte für die deut- sche Freiheit, Demokratie, Kultur und Arbeiterbewegung bewahren, bis ganz Deutschland wieder frei würde10. Und noch nach dem deutschen Einmarsch im März 1938 erklärten führende Exilsozialdemokraten, dass der Widerstand nicht der Wiederherstellung des verschwundenen Österreichs gelten könne, sondern nur der gesamtdeutschen Revolution11. Der Gedanke an eine eigenständige österreichische Nation fand in den Kernbereichen der Bevölkerung wenig Widerhall. An den gesellschaft- lichen Außenpolen wuchsen indes neue Vorstellungen heran. Die Anhänger des ehemaligen Kaiserhauses konnten dem Anschluss an Deutschland nichts abgewinnen, weil er die von ihnen erhoffte Rückkehr der Habsburger auf den Thron ausgeschlossen hätte. Obwohl sie ursprünglich kein besonderes Interesse an der Nationsfrage hatten – ihre Loyalität richtete sich ja an ganz anderen Anknüpfungspunkten aus –, erkannten die Legitimisten die Not- 8 Zu diesem Aktivismus siehe auch Erin R. Hochman, Ein Volk, ein Reich, eine Repu- blik: Großdeutsch Nationalism and Democratic Politics in the Weimar and First Austrian Republics, in: German History 32 (2014) 29–52. 9 Siehe Peter Katzenstein, Disjoined Partners (Berkeley 1976) 147; Wolfgang Rosar, Deutsche Gemeinschaft: Seyss-Inquart und der Anschluß (Wien 1971) 46. 10 Oesterreichs staatliche Zukunft und die Sozialdemokratie, in: Arbeiter-Zeitung (13.5.1933) 1. 11 Fritz Klenner, Eine Renaissance Mitteleuropas: Die Nationswerdung Österreichs (Wien 1978) 190.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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