Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Seite - 351 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 351 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert

Bild der Seite - 351 -

Bild der Seite - 351 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert

Text der Seite - 351 -

351 Der Sonderfall: Südtirol und die Grenzen der österreichischen Nachkriegsnation Wenngleich staatsrechtlich ein Unterschied zwischen den Bewohnern des neuen Österreichs und den übrigen deutschsprachigen Bevölkerungen der Habsburgermonarchie entstanden war, erloschen damit nicht die engen Be- ziehungen. Die Erste Republik war bewusst als Vertretung der Deutschen der ehemaligen Monarchie gegründet worden. In der frühen Republik war man auch sehr darauf bedacht, deutschsprachigen Zuwanderern aus den Nachfolgestaaten den Zugang zur österreichischen Staatsbürgerschaft mög- lichst einfach zu gestalten29. Auch danach betrachtete man sich als natürliche Schutzmacht für diese Minderheiten und wachte manchmal sogar recht eifer- süchtig darüber, in dieser Rolle nicht vom Deutschen Reich überflügelt zu werden. Die nationalsozialistische Machtübernahme in Deutschland kompli- zierte danach das Verhältnis zwischen verschiedenen deutschsprachigen Be- völkerungen, bis sich Ende der 1930er Jahre eine Gleichschaltung auf natio- nalsozialistischer Grundlage durchsetzte. Im Jahre 1938 fanden sich sowohl Österreicher wie Sudetendeutsche in Hitlers Reich wieder, wie auch die deut- schen Minderheiten im Südosteuropa zunehmend nazifiziert wurden. An der Ausdehnung der deutschen Macht- und Einflusssphäre nach Südosteuropa während des Zweiten Weltkrieges waren Österreicher wie Sudetendeutsche schon als Reichsangehörige beteiligt. Mit der deutschen Niederlage und der Wiedererrichtung der österrei- chischen Republik änderte sich auch das Verhältnis Österreichs zu den ehe- maligen Schicksalsgefährten. Als die deutschsprachigen Vertriebenen und Flüchtlinge aus dem europäischen Südosten und den böhmischen Ländern zu Hunderttausenden in Österreich ankamen, wollte man mit ihnen mög- lichst wenig zu tun haben30. Auch in der Flüchtlingsfrage zeichnete sich der nationale Gleichklang von Konservativen und Kommunisten ab. Als der konservative Bundeskanzler Leopold Figl die 1945 in Österreich zu erwar- tenden Sudetendeutschen nach Deutschland geschickt haben wollte, wusste der kommunistische Staatssekretär Franz Honner Rat: die Sowjets könnten 29 Siehe Stenographisches Protokoll der konstituierenden Sitzung der Nationalversamm- lung der deutschen Abgeordneten, 181 f., in Protokolle über die Sitzungen der Provisorischen Nationalversammlung für Deutschösterreich: 1918 und 1919 (Wien 1919) und Vom Rechtlo- sen zum Gleichberechtigten, Bd. 2, hrsg. von Edwin Machunze (Salzburg 1976) 13. 30 Die deutschsprachigen Vertriebenen und Flüchtlinge in Österreich kamen fast aus- schließlich aus dem Bereich der ehemaligen Habsburgermonarchie.
zurück zum  Buch Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert"
Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Die schwierige Versöhnung