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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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357 Der Sonderfall: Südtirol und die Grenzen der österreichischen Nachkriegsnation deutschen, für die das nicht gelten sollte? Die Differenzierung wirkte eher pragmatisch als grundsätzlich. Eine Sonderstellung Südtirols ergab sich aus der Rolle des Bundeslandes Tirols. Zwar hatten auch Länder wie Kärnten, Niederösterreich und nicht zuletzt die Steiermark nach dem Ersten Welt- krieg deutschorientierte Bevölkerungsgruppen an Nachbarstaaten verloren, doch fielen diese Minderheiten 1945 kaum mehr ins Gewicht. Die Abtren- nung der südlichen Landesteile bis Salurn war dagegen als prägendes Ereig- nis ins Tiroler Bewusstsein eingegangen. Schon in der Zwischenkriegszeit hatte man durch Überlegungen zur Eigenstaatlichkeit oder zum eigenstän- digen Anschluss an das Deutsche Reich zu erkennen gegeben, dass der Zu- sammenhalt des deutsch- und ladinischsprachigen Tirols für viele regionale Entscheidungsträger wichtiger war als die Verknüpfung mit Wien45. Auch in der Zweiten Republik stellte Tirol sich regelmäßig als eines der am stärksten regional geprägten Bundesländer dar. Während sich noch 1987 in einer Um- frage 55 % der Niederösterreicher und 46 % der Wiener vorrangig als Ös- terreicher definierten, waren dies in Tirol nur 19 %. Nicht weniger als 58 % dagegen fühlten sich in erster Linie ihrem Bundesland verbunden46. Schon allein aus diesem Grund war es ratsam, die Tiroler Landespolitik nicht vor den Kopf zu stoßen. Die Südtirolfrage unterschied sich auch dadurch von anderen zeitge- nössischen Minderheitenfragen, dass Österreich nicht bloß als uneigennüt- zige Schutzmacht auftrat. Gerade in der frühen Diskussion klang wiederholt durch, dass Österreich selbst durch den Verlust Südtirols Unrecht erlitten habe47. Die Ende der 1940er Jahre mit verkehrsmäßigen Argumenten ins Spiel gebrachte Forderung nach Anschluss des nördlichen Südtirols könnte eben- falls als Bevorrangung österreichischer Interessen aufgefasst werden48. Der Identifizierung mit Südtirol half es auch, dass dessen Image sich nahtlos in das Selbstverständnis der die frühen Nachkriegsjahre prägenden Österrei- 45 Siehe dazu auch Tirol und der Anschluß, hrsg. von Thomas Albrich, Klaus Eisterer, Rolf Steininger (Innsbruck 1988). 46 Dr. Fessel und Co., Österreichbewußtsein (1987) 23. 47 Siehe dazu etwa Karl Renner in Stenographisches Protokoll der 1. Sitzung des Natio- nalrates der Republik Österreich, V. Gesetzgebungsperiode, Mittwoch, 19. Dezember 1945, S. 9. Abgerufen am 22. 5. 2014 unter http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/V/NRSITZ/ NRSITZ_00001/imfname_112493.pdf 48 Zur Pustertallösung siehe Steininger, Los von Rom? 67–87.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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