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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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358 Peter Thaler chischen Volkspartei einfügen ließ. Mit ihrer Reputation als heimatliebend bodenständiger Bevölkerung mit tiefverwurzelter katholischer Religiosität passten die Südtiroler weit besser zur Symbolsprache des zeitgenössischen Österreichpatriotismus als etwa die Sudetendeutschen, bei denen die christ- lichsoziale Bewegung schon während der Monarchie von sowohl Deutsch- nationalen wie Sozialdemokraten überschattet war. Dadurch hatten die Ver- treter Südtirols nicht nur enge persönliche Kontakte zu den konservativen Eliten Nachkriegsösterreichs, sondern appellierten auch besser an ihre Ge- fühlswelt. Sogar der Ruf besonderer Habsburgtreue haftete den Tirolern im Allgemeinen an, was vor allem den intellektuellen Vorkämpfern der nationa- len Umorientierung entgegenkam49. Zuletzt darf man aber auch die realpolitischen Besonderheiten der einzelnen Minderheitenfragen nicht außer Betracht lassen. In Südtirol konn- te man sich offen für eine deutschsprachige Bevölkerung einsetzen, ohne schmerzhafte Repressalien seitens der Besatzungsmächte befürchten zu müssen. Während Italien als zeitweiliger Verbündeter des nationalsozialisti- schen Deutschlands nun selbst mit Landeinbußen zu rechnen hatte, zählten die Tschechoslowakei und Jugoslawien zu den Gewinnern des Krieges. Ihre Ausweisungspolitik gegenüber unerwünschten Minderheiten war interna- tional abgesichert und wurde vor allem von der Sowjetunion als Instrument der Friedensstiftung dargestellt. Jeder Widerspruch dagegen forderte inter- nationale Angriffe heraus und bedrohte die Kernziele der österreichischen Außenpolitik50. Diese pragmatischen Unterschiede kamen auch in den darauffolgen- den Jahrzehnten zu Geltung. Während in den ehemaligen Minderheitenge- bieten anderer Nachfolgestaaten kaum mehr deutschsprachige Bevölkerun- gen vorhanden waren, entwickelte Südtirol sich zu einem internationalen Spannungsherd51. Die Konflikte einer historisch und kulturell verbundenen Bevölkerungsgruppe mit einer überlegenen Staatsmacht erregten auch die österreichische Öffentlichkeit. Damit wurde die Südtirolfrage zu einem aus- 49 Zum konservativen Österreichpatriotismus der frühen Nachkriegszeit siehe Albert Reiterer, Österreichbewußtsein im bürgerlichen Lager nach 1945, in: Zeitgeschichte 14 (1986/87) 379–397. 50 Siehe auch Brunhilde Scheuringer, Dreißig Jahre danach (Wien 1983) 342. 51 Zur Südtirolfrage in dieser zentralen Periode siehe vor allem Rolf Steininger, Südtirol zwischen Diplomatie und Terror: 1947–1969, 3 Bände (Bozen 1999).
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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