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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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359 Der Sonderfall: Südtirol und die Grenzen der österreichischen Nachkriegsnation gesprochenen Bindeglied in der österreichischen Gesellschaft, die sogar die neu aufgeworfenen Gegensätze im nationalen Selbstverständnis überwinden half. Für die Österreichische Volkspartei war Südtirol schon durch ihre ein- seitige Dominanz in der Tiroler Landespolitik ein wesentliches Anliegen, das zugleich auch den Sonderanspruch der Partei auf österreichischen Patriotis- mus unterstreichen konnte. Die Sozialdemokraten wiederum stellten demo- kratische Minderheitenrechte in den Mittelpunkt52. Auch die Kommunisti- sche Partei konnte sich in den nationalen Konsens einordnen, da die Sowjet- union an diesem Konflikt wenig Anteil nahm und der österreichischen Partei dadurch erheblichen Gestaltungsraum ließ53. Besonders grenzüberwindend wurde die Südtirolfrage aber dadurch, dass auch die verbliebene deutschnationale Opposition die Regierungspoli- tik mittrug. Grenz- und Minderheitenfragen hatten sogar unter sich weiterhin bewusst als Deutsche fühlenden Österreichern zu einer neuen Wertschät- zung der österreichischen Eigenstaatlichkeit geführt. Diese Umorientierung drückte der Kärntner Landesarchivdirektor Wilhelm Neumann aus, der die Unabhängigkeit des österreichischen Staates als Voraussetzung dafür ansah, dass zumindest der Südosten des deutschen Siedlungsgebiets vor Einbußen bewahrt wurde54. Dabei dachte Neumann neben der Grenze zu Jugoslawien wohl auch an Südtirol. Immerhin kam es dort zu einer Zeit, als deutschspra- chige Minderheiten in weiten Teilen Europas ihre Existenzgrundlage verlo- ren, zu ernsthaften Überlegungen über eine Rückgliederung an Österreich und zuletzt immerhin einer Verbesserung der kulturellen Rahmenbedingun- gen. Damit trug die Südtirolfrage nicht nur zur Akzeptanz der österreichi- schen staatlichen Unabhängigkeit unter ihren vormals größten Skeptikern bei, sondern förderte auch den Zusammenhalt von gesellschaftlichen Grup- pen mit unterschiedlichen Nationsauffassungen. 52 Siehe dazu etwa Hans Brachmann in Stenographisches Protokoll, 16. Sitzung des Nationalrates der Republik Österreich, V. Gesetzgebungsperiode, Mittwoch, 22. Mai 1946, S. 253. Abgerufen am 23. 5. 2014 unter http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/V/NRSITZ/ NRSITZ_00016/imfname_141077.pdf 53 Zur Haltung der österreichischen Parteien und Öffentlichkeit siehe auch Werner Wolf, Südtirol in Österreich: Die Südtirolfrage in der österreichischen Diskussion von 1945 bis 1969 (Würzburg 1972). 54 Wilhelm Neumann, Bausteine zur Geschichte Kärntens (Klagenfurt 1994) 224.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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