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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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360 Peter Thaler 4. Der Einfluss der österreichischen Nationsbildung auf die Südtiroler Die nationale Umorientierung in Österreich hatte aber auch Bedeutung für die deutschsprachigen Südtiroler. Da sie sich nicht im direkten Wirkungs- bereich österreichischer staatlicher Institutionen befanden, nahmen sie nicht unmittelbar am österreichischen Nationsbildungsprozess teil. Zugleich übten österreichische Medien und Universitäten jedoch bedeutsamen Einfluss auf Südtirol aus. Diese Zwischenstellung drückte sich auch im Selbstverständnis der Südtiroler aus, in dem verschiedene Aspekte mitteleuropäischer Identi- tätsbildung nebeneinander auftraten. Weitaus unproblematischer als in Ös- terreich lebte in Südtirol die Eigen- und Fremdbezeichnung als Deutscher fort, die auch durch die sprachliche Gliederung des nationalen Konfliktver- hältnisses vorgegeben war. Zugleich aber nahmen Teile der Südtiroler Öf- fentlichkeit durchaus die Beschreibung als österreichische Minderheit an, die dem neuen österreichischen Staatsverständnis besser entgegenkam55. Italienische Politiker wiederum haben den Begriff der österreichi- schen Minderheit regelmäßig abgelehnt56. Dazu trugen auch die unklaren Implikationen einer solchen Definition bei57. Solange die Minderheit sich an- hand ihrer deutschen Sprache bestimmte, war auch der Rahmen der Autono- mie auf diese Weise abgesteckt. Die deutschsprachigen Südtiroler genossen rechtlichen Schutz für ihre kulturelle Eigenart. Politische Grenzen wurden dadurch nicht berührt. Bei einer Definition als österreichischer Minderheit stellte sich dage- gen die Frage, worauf dieses Österreichersein der Südtiroler beruhe. Als re- gionale Identität wäre dies natürlich unbestritten, würde aber nicht aus dem deutschen Rahmen herausfallen und dadurch der nationalösterreichischen Selbstauffassung widersprechen. Die Vorstellung einer ethnokulturellen 55 So etwa der ehemalige Südtiroler Landeshauptmann Luis Durnwalder, der diesen Begriff häufig verwendete. Siehe Gerhard Mumelter, 150 Jahre Italien: Südtirol will nicht mitfeiern, in: Der Standard (9. 2. 2011) abgerufen am 23. 5. 2014 unter http://derstandard. at/1296696681529/150-Jahre-Italien-Suedtirol-will-nicht-mitfeiern 56 Siehe etwa Akten zur Südtirol-Politik 1959–1969, Band. 2, 1960: Vor der UNO, hrsg. von Rolf Steininger (Innsbruck 2006) 552, 559, 560, 590. 57 Daneben gab es auch den Wunsch, das propagandistisch nützliche Image des Panger- manismus bewahren zu können. Siehe dazu ebd. 588.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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