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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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369 Italien und die Südtirolfrage von De Gasperi bis Moro ten Weltkrieg kennengelernt und bestätigte 1921 dessen ablehnende Haltung gegenüber der Annexion Südtirols. Nach dem Ersten Weltkrieg versuchte De Gasperi vergebens, in den von Italien neu annektierten Provinzen und vor allem in den Gemeinden die Autonomie, die sie im Kaisertum Österreich ge- nossen hatten, zu erhalten11. Noch viele Jahre später, im Jahr 1957, beschrieb Reut-Nicolussi De Gasperi als einen Politiker, der im Habsburgerreich mit großem Geschick und mit Hartnäckigkeit die Interessen des Trentino gegen- über den deutschen Tirolern vertrat – und das mit einer fast supranationalen Objektivität12. Am 8. August 1945 schrieb Reut-Nicolussi in der renommierten Ber- ner Tageszeitung „Der Bund“ einen offenen Brief an De Gasperi, den er in deutscher und italienischer Sprache verfasste und der den Titel „Appell zur Versöhnung“ trug. In seinem Brief erinnerte Nicolussi an die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, als sie beide Abgeordnete im Parlament in Rom waren: De Gasperi als Abgeordneter für Trient und Reut für Bozen. Beide kämpf- ten gegen den Faschismus und wurden dafür verfolgt. Basierend auf dem Grundsatz der Gerechtigkeit und der Demokratie und mit der größten Ach- tung der Rechte, die der italienischen Minderheit in Südtirol zuteilwerden konnte, kam Nicolussi, nachdem er am Anfang die Worte „Verbrüdert in der Gerechtigkeit“ zitierte, die als Inschrift auf dem Dante-Denkmal in Trient zu finden sind und an die Unterdrückung durch die Faschisten erinnern, zu dem Schluss, dass De Gasperi mit der Gewährung des Selbstbestimmungs- rechts für Südtirol Italien den wohl größten Sieg bescheren und somit diese schmerzende Wunde auf dem gequälten Körper unseres Kontinents für immer schlie- ßen würde13. ge 1918–1958. Streiter für die Freiheit und die Einheit Tirols, Teil 1, Biographie und Darstel- lung; Teil 2, Dokumentenedition vorwiegend aus dem Nachlass (= Schlern Schriften 333/2, Innsbruck 2007). 11 Umberto Corsini, Problemi di un territorio di confine. Trentino e Alto Adige dalla sovranità austriaca all’Accordo De Gasperi-Gruber (Trento 1994) 397–402; Ders., Il colloquio 108 ff.; Craveri, De Gasperi 59–65. 12 Michael Gehler, Eduard Reut-Nicolussi I 46 f., II Doc. 901 1412. Viktoria Stadlmayr meint sogar, dass er – hätte es den Ersten Weltkrieg nicht gegeben – angesichts seiner politi- schen Position und seiner engen Verbindungen zur österreichischen christlichsozialen Par- tei vermutlich ein äußerst konservativer österreichischer Bildungsminister geworden wäre: Stadlmayr, Kein Kleingeld 249. 13 Text in Reut-Nicolussi, II, Doc. 525 840; auch in: Gehler, Verspielte Selbstbestimmung, Doc. 9 134–135; Michael Gehler, Im Spannungsfeld zwischen Region, Nation und Europa.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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