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Italien und die Südtirolfrage von De Gasperi bis Moro
selbstbestimmtes Südtirol. Der BAS wurde von österreichischen Extremisten
wie Aloys Oberhammer, Eduard Widmoser, Wolfgang Pfaundler und Fritz
Molden mit Dynamit versorgt und finanziell unterstützt. Bei den Anschlägen
wurden 2 Wasserkraftwerke, 37 Hochspannungsmasten und 8 Bahnoberlei-
tungen vorsätzlich gesprengt. Der Schaden belief sich auf einige Milliarden
Lire. Das eigentliche Ziel der Attentäter, nämlich die Energieversorgung der
Bozner Industriezone lahmzulegen, wurde aber nicht erreicht. Vollkommen
verfehlt wurde auch das Bestreben, die Bevölkerung für sich einzunehmen.
Nach Günther Pallaver begrüßten viele Südtiroler die ersten unblutigen At-
tentate102, die zunehmende Gewalt stieß aber auf Ablehnung, ebenso fürchtete
man Einbußen im Tourismus. Auch die Kirche verurteilte unter der Leitung
des Bischofs von Brixen, Joseph Gargitter, die Anschläge. Am 12. Juni verur-
teilte die SVP, allen voran ihr Chef Magnago, der gegen jegliche Gewalt war,
die Angriffe offiziell. Allerdings waren einige hochrangige Parteimitglieder
Komplizen der Attentäter, wie etwa Hans Dietl103. Empörte Mitglieder wand-
ten sich in der Folge von der Partei ab. Der Präsident der Handelskammer
Bozen, Walter von Walther, bezeichnete die SVP gegenüber dem britischen
Konsul als Nazi-Partei104 und Ebner zeigte sich enttäuscht, dass sich die Partei
mit Verbrechern105 eingelassen habe. Nur mit Mühe konnte die Abspaltung
der katholischen Gruppe um die Abgeordneten Toni Ebner, Roland Riz, Otto
von Guggenberg und Walter von Walther verhindert werden106.
Nach der Feuernacht stellten sich die öffentliche Meinung sowie die
internationale Presse hinter Italien, darunter auch die „Neue Zürcher Zei-
tung“. Viktoria Stadlmayr meinte sogar, die Attentate hätten den ersten mo-
ralischen Sieg Italiens in der Südtirolfrage seit 1918 mit sich gebracht107. Am
10. August 1961 musste Aloys Oberhammer sowohl von seiner Funktion als
Obmann der Tiroler Volkspartei wie auch als Landesrat der Tiroler Landesre-
102 Pallaver, La pacificazione dopo il terrorismo 272, 280.
103 Peterlini, Feuernacht 174–195; Ders., Hans Dietl. Biografie eines Südtiroler Vorden-
kers und Rebellen. Mit Auszügen aus seinen Tagebüchern (Bozen 2007) 216 f.
104 Steininger, Südtirol zwischen Diplomatie und Terror II 591.
105 Scarano, Le origini della Commissione dei 19 248.
106 Steininger, Südtirol zwischen Diplomatie und Terror II 584–597.
107 ASP 1959–1969, IV 7 und Doc. 15 73–77; Steininger, Südtirol zwischen Diplomatie und
Terror II 658.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918