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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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412 Giulia Caccamo Wahrscheinlich erhoffte sich Klaus den Druck von Bonn auf die Regierung in Rom, um deren Standpunkte bezüglich des EWG-Assoziierungsabkommens zu entschärfen. Es ist aber unklar, wie er zwischen Moskau und Bonn lavieren wollte. Obwohl er bei einem Interview mit einem deutschen Radiosender den Wunsch nach einem Treffen mit Kiesinger und dem italienischen Präsiden- ten äußerte, bestand die Gefahr, dass ein offizieller Besuch in Deutschland die Sowjets verstimmen würde. Schon die theoretische Möglichkeit eines Be- suchs des deutschen Kanzlers in Wien hätte das Ansehen von Klaus verbes- sert und damit einen Ausweg aus der Handlungsunfähigkeit gezeigt28. Eine Regierungsumbildung kostete Außenminister Tončić-Sorinj am 16. Jänner sein Amt, die deutsche Botschaft in Wien zeigte sich zufrieden mit diesem Schritt. Einem praktisch nicht vorhandenen Außenminister, der unter anderem als oberflächlich und ungenau galt29, folgte der gewissenhaftere Kurt Waldheim, bisher Generalsekretär des österreichischen Außenministeriums. Die deut- sche Botschaft bezweifelte allerdings, dass damit die beiden grundlegenden Probleme der österreichischen Außenpolitik – der Streit um Südtirol und die Integration in die EWG – gelöst werden könnten. Als positives Zeichen inter- pretierte man jedoch, dass die Zuständigkeit für die EWG-Verhandlungen vom Handels- in das Außenministerium übertragen wurde. Aus Südtirol ließ Silvius Magnago diskret verlauten, dass er Bonns Nichteinmischung schätzte. Eine andere Entscheidung wäre sowohl in Bezug auf die Beziehungen mit Rom als auch mit Wien kontraproduktiv. Angesichts der bevorstehenden Reise des deutschen Kanzlers nach Rom wies der Süd- tiroler Landeshauptmann jedoch gleichzeitig darauf hin, dass eine Auffor- derung Kiesingers als Europäer den noch fehlenden Schritt auf dem Weg zu einer vollständigen Einigung zu gehen, nützlich sein könnte. Darüber hinaus hielt er es für angebracht, die Italiener darauf hinzuweisen, dass eine Lösung 28 PAA, Bestand B26, Band 357, von der Botschaft in Wien, 20. Dezember 1967. Jedoch wird darauf hingewiesen, dass Stellen im Protokoll vorgeben, dass er zuerst den deutschen Kanzler besuchte. 29 PAA, Bestand B130, Band 2442A, von der Botschaft in Wien, 22. Jänner 1968. Die Grün- de für den Wechsel der Führungsspitze des Ballhauses sind verschiedene und wahrschein- lich nicht ausschließlich den spärlichen Resultaten der Außenpolitik zuzuschreiben, son- dern der wenigen Sympathie, die Tončić sowohl in Wien als auch in Tirol innerhalb der ÖVP genoss. Siehe dazu Steininger, Südtirol 776.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
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