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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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416 Giulia Caccamo und der Unterstützung der Bundesrepublik, die es als ihre Pflicht sah, die deutsche Sprache und Kultur allerorts zu verteidigen – auch wenn es sich um „Österreicher“ handelte. Allerdings war der Übergang zwischen diesem Ein- satz und dem kulturellen Erbe des Pangermanismus häufig fließend. Die Verbundenheit mit Südtirol war in Bayern besonders stark, was anhand des Bildes vom Südtirol-Terrorismus deutlich wird – von einem Dra- chen mit dem Kopf in Deutschland und dem Schwanz in Österreich –, das zeitweise zum Leitmotiv der italienischen Linken und antideutschen Zeitungen wur- de und im Hintergrund auch auf die Beziehungen zwischen Rom und Bonn wirkte36. Ganz anderer Natur war die Zugangsweise des Auswärtigen Amtes und Brandts. Die Politik Deutschlands befand sich in einer entscheidenden Phase. Die Entspannungspolitik, der Europagedanke, die Unruhen aufgrund der Pro- testbewegungen von 1968 und des Vietnamkrieges sowie die Verteidigung wa- ren Themen, die der Außenpolitik eine kohärente Richtung abverlangten. Große Aufmerksamkeit erforderte vor allem die Beseitigung des sich noch in den Köp- fen der Italiener haltenden kollektiven Bildes der unheimlichen Deutschen37. Die Zahl von Staatsbürgern der BRD, die direkt an terroristischen Ak- tionen beteiligt waren, war gering, es bestand aber der Verdacht, dass sie logistisch und finanziell von Organisationen mit Sitz in München unterstützt wurden. In der entscheidenden Phase der Krise zwischen Wien und Rom schien ein unausgesprochenes Appeasement zwischen Italien und der Bun- desrepublik zu herrschen. Die italienischen Behörden wussten um den Fluss von Geldern aus der BRD nach Südtirol, vermieden es jedoch, näher darauf einzugehen. 36 ACS, Bestand Aldo Moro, Karton 67, Akte 656, Schreiben von Luciolli an Fanfani, 16. September 1966. Dieses wirkungsvolle Bild wurde vom italienischen Botschafter in Bonn ge- nutzt, der es für irreführend hielt und als Begünstigung jener politischen Strömungen, wel- che die integrationshemmenden Faktoren in der westlichen Welt bestärken wollen, verstand. 37 PAA, Bestand 24, Band 601, vom deutschen Konsul (auslaufend) in Mailand ans A.A. (ohne Datum, wahrscheinlich Dezember 1967). Nach fünfeinhalb Jahren Aufenthalt in Mai- land machte der Konsul vor seiner Rückkehr in die Heimat eine Reihe interessanter Fest- stellungen zur Wahrnehmung der Italiener, insbesondere der jüngeren Generation, in Bezug auf Deutschland. Er gab an, dass ihm im Zuge seiner Ortswechsel auf der italienischen Halb- insel deutlich geworden sei, dass in Italien eine falsche Vorstellung von der Bundesrepublik herrsche und drängte darauf, den jüngeren Generationen das alltägliche deutsche Leben näher zu bringen und somit das noch stark vorherrschende negative Bild der „unheimlichen Deutschen“ zu überwinden.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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