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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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428 Joachim Gatterer towsk führte dies zur Unabhängigkeit Finnlands, Polens, der Baltischen Staa- ten und der Ukraine, wobei die außenpolitische Schwäche Sowjetrusslands zu diesem Zeitpunkt gleichfalls eine Rolle spielte30. Es scheint ein Paradoxon zu sein, dass es gerade den Bolschewiki ge- lang, trotz Gewährung des Selbstbestimmungsrechts 1922 einen neuen Viel- völkerstaat, die Sowjetunion, aus der Taufe zu heben, während die Sozial- demokratie in Österreich-Ungarn mit ihrem offen propagierten Konzept des multiethnischen Nationalitätenbundesstaates scheiterte31. Ein wesentlicher Grund für den Erfolg der Bolschewiki bestand in diesem Zusammenhang jedoch weniger im Wortlaut der politischen Forderung, als vielmehr in ihrem ausgeprägten Gespür für die Macht. Anders als die österreichischen Sozial- demokraten praktizierten die Sowjets ihre Nationalitätenpolitik nicht als Konzession an nationalistische Konkurrenzparteien, sondern sie setzten sich mit Propagierung des Selbstbestimmungsrechts selbst an die Spitze der Na- tionalbewegungen und konnten diese damit weitgehend absorbieren. In der Praxis führte die kommunistische Nationalitätenpolitik nach der innen- und außenpolitischen Festigung der Sowjetunion allerdings zu unterschiedlichen Ergebnissen. Vor allem in den ersten Jahren wurden zum Teil weitreichende Zugeständnisse an nationale und kulturelle Minderheiten gemacht, die unter stalinistischer Herrschaft jedoch bald in eine gewaltsame Repressions- und Umsiedlungspolitik umschlugen32. bestimmung, bis hin zu einer Loslösung und Bildung eines selbständigen Staates. 3. Aufhebung aller und jeglicher nationaler und nationalreligiöser Privilegien und Einschränkungen. 4. Freie Entfaltung nationaler Minderheiten und ethnographischer Gruppen, die das Gebiet Rußlands bewohnen. Die daraus resultierenden konkreten Dekrete werden unmittelbar nach der Bildung einer Kommission für Angelegenheiten der Nationalitäten ausgearbeitet. Zitiert aus einer deutschen Übersetzung der „Deklaration der Rechte der Völker Russlands“ vom 2. bzw. 15. November 1917, unter- zeichnet von Lenin und Stalin, als Übersetzung sowie im russischen Original einsehbar im Online-Portal der Bayerischen Staatsbibliothek „100(0) Schlüsseldokumente zur russischen und sowjetischen Geschichte“, www.1000dokumente.de/pdf/dok_0002_vol_de.pdf (letzter Zugriff: 28.08.2017). 30 Marina Cattaruzza, Il problema nazionale per la socialdemocrazia e per il movimen- to comunista internazionale: 1889–1953, in: La nazione in rosso. Socialismo, Comunismo e „Questione nazionale“: 1889–1953, hrsg. von Dies. (Soveria Mannelli 2005) 9–32, hier: 22. 31 Vgl. Helmut Konrad, Between „little international“ and Great Power Politics: Aus- tro-Marxism and Stalinism on the National Question, in: Nationalism and empire. The Habsburg Empire and the Soviet Union, hrsg. von Richard Rudolph (New York 1992) 269–294. 32 Vgl. Cattaruzza, Il problema nazionale 22 ff.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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