Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Seite - 435 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 435 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert

Bild der Seite - 435 -

Bild der Seite - 435 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert

Text der Seite - 435 -

435 Sozialistische Beiträge zur Nationalitätenfrage in Tirol und Südtirol 1890–1992 der Brennergrenze heraufbeschwor, was einer indirekten Aufgabe der Selbst- bestimmungsforderung für Südtirol gleichkam53. Bei Ausbruch des Weltkriegs und Abschluss des deutsch-italienischen Umsiedlungsabkommens für Südtirol 1939 (sogenannte „Option“) war die so- zialdemokratische und kommunistische Nationalitätenpolitik an einem Tief- punkt angelangt. Dass von kommunistischer Seite gegenwärtig keine propa- gandistischen Äußerungen gegen die Umsiedlung bekannt sind, dürfte we- sentlich mit der radikalen Kursänderung der Komintern zusammenhängen. Nach Abschluss des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakts54 und Beginn des deutschen Angriffskriegs gegen Polen hatte George Dimitroff als Leiter der Komintern im September 1939 alle kommunistischen Parteien wissen lassen, dass sich aufgrund des Krieges die Lage wesentlich verändert habe. Die Teilung der kapitalistischen Staaten in faschistische und demokratische hat jetzt die frühere Bedeutung verloren. Dementsprechend muss die Taktik geändert werden.55 Dennoch lässt sich die These vertreten, dass das Umsiedlungsabkom- men für Südtirol im sozialistischen Lager durchwegs auf Ablehnung stieß. Zum einen sind einige Biographien einst aktiver Sozialdemokraten und Kommunisten aus Südtirol bekannt, die sich wie wenige andere Südtiroler gegen das Auswandern und für das Beibehalten der italienischen Staatsbür- gerschaft entschieden haben (sogenannte „Dableiber“)56. Zum anderen kennt 53 Infolge der Ereignisse des März 1938 berichtete die kommunistische Zeitung l’Unità: Hitler hat versichert, dass die Brennergrenze für ihn heilig sei wie jene Frankreichs. Aber alle wissen, dass das Hitlerregime keines seiner Versprechen und Verheißungen gehalten hat (genauso wie Musso- lini) und dass Hitler und seine Günstlinge das Elsass und Lothringen für sich beanspruchen. Und ist es weiters nicht etwa wahr, dass vor wenigen Wochen in München Plakate angeschlagen wurden, mit denen man Südtirol beanspruchte? Machen wir uns also nicht vor, die Brennergrenze sei zugesichert! l’Unità (edizione clandestina), Anno XV, N. 4, o. S. (Übers. d. Verf.) 54 Vgl. Gaetano Quagliarello, Il PCI, il PCF e le conseguenze del patto Molotov-Rib- bentrop, in: La nazione in rosso. Socialismo, Comunismo e „Questione nazionale“: 1889– 1953, hrsg. von Marina Cattaruzza (Soveria Mannelli 2005) 241–296, hier: 257–268. Über die politischen Hintergründe des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakts informiert Gerhard Wettig, Zur Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs: Welche Rolle spielte Stalin?, in: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung (2014) 171–189. 55 George Dimitroff. Tagebücher 1933–1943, hrsg. von Bernhard H. Bayerlein (Berlin 2000) 275. 56 Gegen die Abwanderung ins Deutsche Reich entschieden sich z.B. der Kommunist Silvio Flor junior und die Sozialdemokraten Anton Gruber und Lorenz Unterkircher. Siehe Kurzbiographien in Joachim Gatterer, Die sozialistische und kommunistische Arbeiterbe- wegung in Tirol und Südtirol 1890–1991. Vorarbeiten und Quellensammlung für eine Doku- mentation ihrer Geschichte (Innsbruck 2017) 658 f. und 662 f.
zurück zum  Buch Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert"
Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Die schwierige Versöhnung