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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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446 Joachim Gatterer listen einzugehen. Anlässlich der Wahlen zum italienischen Parlament emp- fahl sie 1972 in Ermangelung eigener Erfolgsaussichten die Wahl des Trentiner Sozialisten Ballardini90, der sich in der Neunzehner-Kommission konstruktiv für die Lösung der Südtirolfrage eingesetzt hatte (siehe oben). Diese Wahl- empfehlung für einen italienischen Kandidaten wurde jedoch nicht von der gesamten SFP mitgetragen und führte zur Parallelgründung der Sozialdemo- kratischen Partei Südtirols (SPS). Sie verstand sich als ethnisch geschlossene Partei der deutsch- und ladinischsprachigen Südtiroler, wofür vor allem ihr Spitzenvertreter, der ehemalige SVP-Kammerabgeordnete Hans Dietl Bürg- schaft leistete91. Der aus kleinbäuerlichem Milieu stammende Dietl hatte auch in den Reihen der Volkspartei zu den nationalen Hardlinern gezählt, im römi- schen Parlament gegen die Annahme des Zweiten Autonomiestatuts gestimmt und zuvor Kontakte zum Befreiungsausschuss Südtirol unterhalten, dessen politische Linie in der SPS-Parteizeitung offen gewürdigt wurde92. Inoffiziell reichten die Sympathien für die Gründer des Befreiungs- ausschusses allerdings auch in die Reihen der KPI und der SPÖ hinein. Der Trentiner Rechtsanwalt und KPI-Regionalratsabgeordnete (später Abgeord- neter der „Neuen Linken/Nuova sinistra“) Sandro Canestrini verteidigte die wegen Mordes angeklagte BAS-Gruppe um Sepp Kerschbaumer 1963 vor einem Mailänder Schwurgericht, um solcherart zu einer Offenlegung der Motive und einer sozialen Befriedung des Südtirolkonflikts beizutragen93. 90 Die Wahlempfehlung ist abgedruckt in der Parteizeitung der SFP, Der Fortschritt (Bozen), (4.5.1972) 1 f. 91 Gatterer, „rote milben im gefieder“ 47–51. 92 Das in Sigmundskron in einer demokratischen Massenkundgebung geforderte ‚Los von Trient‘ wurde mit Hohn und Spott überschüttet. Erst als einige beherzte Männer zu außerparlamentarischen Mitteln griffen, begann man sich etwas zu besinnen. In langwierigen Verhandlungen knauserte man um jedes Zugeständnis damit wir wieder mürbe werden. Den Schlußpunkt soll das sogenannte „Pa- ket“ bilden: es ist aber für uns nur ein Fortschritt, kein Schlußpunkt. Silvio Flor, Nach 55 Jahren Sozialdemokraten im Landtag als zweite politische Kraft, in: Südtiroler Nachrichten (Bozen, 12.1973) 3. 93 Als wir die Verteidigung übernommen haben, haben wir unsere Mandanten nicht im unklaren gelassen, sondern zu ihnen gesagt: Wir sind bereit, alle ideellen, moralischen und politischen Beweg- gründe eures Protestes gegen die Art und Weise hervorzuheben, wie die Mächtigen dieser Erde euch nicht nur anno 1809, sondern auch 1945 behandelt haben; wir sind als Italiener und Demokraten dazu bereit, alle Mängel und Unterlassungen zum Schaden eurer Heimat anzuprangern. Wir wollen aus dem Mailänder Prozeß ein Mittel machen, im Rahmen berechtigter Forderungen eine Besserung herbeizuführen, und das nicht nur in Bozen, sondern auch in Rom. Wir haben aber sogleich hinzu- gefügt, daß wir uns als Verteidiger niemals dazu hergeben werden, mit den Druckmitteln und den vom Rassenhaß diktierten Spekulationen gemeinsame Sache zu machen, die hinter euren Rücken gewisse
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
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