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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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453 Sozialistische Beiträge zur Nationalitätenfrage in Tirol und Südtirol 1890–1992 gat-Abkommens) im Vergleich zu landesüblichen Festivitäten einen verhält- nismäßig unauffälligen Rahmen106. Neben der Theorielastigkeit und dem teilweisen Scheitern sozialisti- scher Nationalitätenpolitik in der Praxis ist es letztlich auch das erwähnte auffallend geringe Ausmaß an Würdigung der Erfolge, das zum raschen Ver- blassen sozialistischer Nationalitätenpolitik im kollektiven Regionalgedächt- nis Tirols und Südtirols beigetragen hat. Der sozialistischen Arbeiterbewe- gung ist es in Summe über den gesamten Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts weder in Tirol, noch in Südtirol und im Trentino gelungen, die Themenfüh- rerschaft in der Nationalitätenpolitik zu übernehmen. Das Hinterherhinken ergab sich zum einen aufgrund der Tatsache, dass sich die sozialistischen Forderungen nach Selbstbestimmung, Autonomie und Zusammenschluss mit Deutschland (für das Trentino mit Italien) zwar nicht hinsichtlich ihres ideologischen Fundaments, aber doch hinsichtlich ihrer Zielsetzung weitge- hend mit den wesentlich breiter kommunizierten Forderungen nationalisti- scher wie konservativer Konkurrenzparteien deckten, wobei es durchwegs konservative Politiker (Abtretung des Trentino an Italien, Gruber-De Gaspe- ri-Abkommen, Zweites Autonomiestatut für Südtirol) oder die Nationalso- zialisten (Zusammenschluss Österreichs mit Deutschland) waren, die diese Konzepte in die Tat umsetzten. Zum anderen wurde die Themenführerschaft von den Tiroler Eliten auch bewusst (und letztlich erfolgreich) gegen die so- zialistische Arbeiterbewegung verteidigt, als sich mit Bruno Kreiskys diplo- matischen Erfolgen in der Südtirolpolitik erstmals ein möglicher Wechsel der Themenführerschaft zugunsten der Sozialdemokratie abzeichnete, der letz- ten Endes nicht erfolgte. So blieb praktizierte Nationalitätenpolitik in Tirol und Südtirol – zwar nicht faktisch, aber jedenfalls in der öffentlichen Wahr- nehmung weitestgehend gänzlich – faschistisch, nationalsozialistisch und national-konservativ konnotiert107. 106 Zum Symposium über Bruno Kreiskys Engagement in der Südtirolfrage siehe Bruno Kreisky und die Südtirolfrage: Akten des Internationalen Kolloquiums aus Anlass seines 25-jährigen Todestages, hrsg. von Gustav Pfeifer, Maria Steiner (Bozen 2016). 107 Vgl. hierzu die Tagungsbeiträge zum zehnjährigen Jubiläum der Streitbeilegung zwi- schen Italien und Österreich. 1992: Ende eines Streits. Zehn Jahre Streitbeilegung im Süd- tirolkonflikt zwischen Italien und Österreich, hrsg. von Siglinde Clementi und Jens Woelk (Baden-Baden 2003).
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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