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Was wusste Bruno Kreisky?
Südtirolern sprach, wusste ich nicht, dass dies Leute seien, die einmal Terroristen
werden würden. Ich habe mich nie geweigert, mit anständigen Leuten zu sprechen.31
Eduard Widmoser, Obmann des „Berg-Isel-Bundes“ und mit dem Nordtiroler
BAS verbunden, äußerte später die Vermutung, dass die Kreisky betreffende
Passage in dem Amplatz-Testament in Wirklichkeit von gewissen Kreisen in der
ÖVP in Wien diktiert worden sei, um so die SPÖ in die Nähe von Terroristen zu
rücken32. Der Wiener Staatspolizeichef Peterlunger kam schon 1963 zu einem
anderen Schluss. In einem Aktenvermerk hielt er fest, dass laut Angaben von
Klotz die Ehefrau des Rechtsextremisten Norbert Burger sehr viel Einfluss auf
Amplatz gehabt und diesem das Testament herausgelockt habe33.
Darstellungen Dritter zu dem Treffen in der Armbrustergasse relati-
veren die angebliche Intrige etwas: Dem BAS-Mann Sepp Innerhofer zufolge
sagte Kreisky zu Kerschbaumer: Wenn ihr was macht’s, dann gefälligst was Or-
dentliches.34 Auch Josef Fontana bestätigte, dass über Anschläge gesprochen
worden sei. Kreisky soll gemeint haben: Ich sag euch nicht, tut’s etwas, und ich
sage euch nicht, tut’s nix, ihr wisst selbst, was zu tun ist. Manche, aber, die euch heute
ermuntern, werden morgen über euch herfallen. Aus diesen Ausführungen hätten
Kerschbaumer, Pircher und Titscher den Schluss gezogen, dass es die Anschlä-
ge brauche, wenn man einen Durchbruch erzielen wolle. Die Südtiroler nahmen
zur Kenntnis, dass ihr Aktionsplan in Kreiskys Konzept passte und seien be-
geistert aus Wien zurückgekehrt35. Das bestätigte der Augen- und Ohrenzeu-
ge, Zechtl, Anfang der 1990er Jahre. Ihm zufolge war Kreisky positiv bewegt:
Er war überrascht von der Seriosität der Leute. Die haben alle einen guten Eindruck
gemacht. Vor allem Sepp Kerschbaumer. Auch Kreisky hat in diesem Gespräch eine
für ihn neue Welt kennengelernt. Über anstehende terroristische Aktivitäten sei
nicht gesprochen worden: Das hat man wohlweislich vermieden. Glauben Sie wirk-
lich, dass eine Besprechung mit dem österreichischen Außenminister solche Dinge
behandelt, die damals brennend aktuell gewesen sind? Kreisky habe gewusst, mit
wem er sich da unterhalte, aber nicht viel mehr: Er wusste natürlich, dass sie
in diesem Kreis sind, mehr aber nicht. Zudem gab es auch unter den Südtirolern ein
31 Südtirol-Diskussion 1, Austria Presse Agentur, 24.1.1965.
32 Mosser, Schuöcker, Jelinek, Feuernacht 172.
33 Aktenvermerk, 14.1.1963. StBKA, Südtirol VII. 9, Box 2.
34 Peterlini, Bombenjahre 73.
35 Fontana, Mayr, Kerschbaumer 116.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918