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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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465 Was wusste Bruno Kreisky? Südtirolern sprach, wusste ich nicht, dass dies Leute seien, die einmal Terroristen werden würden. Ich habe mich nie geweigert, mit anständigen Leuten zu sprechen.31 Eduard Widmoser, Obmann des „Berg-Isel-Bundes“ und mit dem Nordtiroler BAS verbunden, äußerte später die Vermutung, dass die Kreisky betreffende Passage in dem Amplatz-Testament in Wirklichkeit von gewissen Kreisen in der ÖVP in Wien diktiert worden sei, um so die SPÖ in die Nähe von Terroristen zu rücken32. Der Wiener Staatspolizeichef Peterlunger kam schon 1963 zu einem anderen Schluss. In einem Aktenvermerk hielt er fest, dass laut Angaben von Klotz die Ehefrau des Rechtsextremisten Norbert Burger sehr viel Einfluss auf Amplatz gehabt und diesem das Testament herausgelockt habe33. Darstellungen Dritter zu dem Treffen in der Armbrustergasse relati- veren die angebliche Intrige etwas: Dem BAS-Mann Sepp Innerhofer zufolge sagte Kreisky zu Kerschbaumer: Wenn ihr was macht’s, dann gefälligst was Or- dentliches.34 Auch Josef Fontana bestätigte, dass über Anschläge gesprochen worden sei. Kreisky soll gemeint haben: Ich sag euch nicht, tut’s etwas, und ich sage euch nicht, tut’s nix, ihr wisst selbst, was zu tun ist. Manche, aber, die euch heute ermuntern, werden morgen über euch herfallen. Aus diesen Ausführungen hätten Kerschbaumer, Pircher und Titscher den Schluss gezogen, dass es die Anschlä- ge brauche, wenn man einen Durchbruch erzielen wolle. Die Südtiroler nahmen zur Kenntnis, dass ihr Aktionsplan in Kreiskys Konzept passte und seien be- geistert aus Wien zurückgekehrt35. Das bestätigte der Augen- und Ohrenzeu- ge, Zechtl, Anfang der 1990er Jahre. Ihm zufolge war Kreisky positiv bewegt: Er war überrascht von der Seriosität der Leute. Die haben alle einen guten Eindruck gemacht. Vor allem Sepp Kerschbaumer. Auch Kreisky hat in diesem Gespräch eine für ihn neue Welt kennengelernt. Über anstehende terroristische Aktivitäten sei nicht gesprochen worden: Das hat man wohlweislich vermieden. Glauben Sie wirk- lich, dass eine Besprechung mit dem österreichischen Außenminister solche Dinge behandelt, die damals brennend aktuell gewesen sind? Kreisky habe gewusst, mit wem er sich da unterhalte, aber nicht viel mehr: Er wusste natürlich, dass sie in diesem Kreis sind, mehr aber nicht. Zudem gab es auch unter den Südtirolern ein 31 Südtirol-Diskussion 1, Austria Presse Agentur, 24.1.1965. 32 Mosser, Schuöcker, Jelinek, Feuernacht 172. 33 Aktenvermerk, 14.1.1963. StBKA, Südtirol VII. 9, Box 2. 34 Peterlini, Bombenjahre 73. 35 Fontana, Mayr, Kerschbaumer 116.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Title
Die schwierige Versöhnung
Subtitle
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Authors
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Editor
Karlo Ruzicic-Kessler
Publisher
Bozen-Bolzano University Press
Location
Bozen
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Size
16.0 x 23.0 cm
Pages
616
Keywords
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Categories
Geschichte Nach 1918
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