Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Seite - 489 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 489 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert

Bild der Seite - 489 -

Bild der Seite - 489 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert

Text der Seite - 489 -

489 Was wusste Bruno Kreisky? 5. Außer Kontrolle Zu diesem Zeitpunkt war aber längst eine Gewaltspirale in Gang geraten. Zwar waren von ehemals rund 200 BAS-Leuten nur mehr Dutzend aktiver Attentäter übriggeblieben. Aber die Folter, der Freispruch von dafür ver- antwortlichen Carabinieri (1963) und die allgemeine Repression in Südtirol hatten den BAS radikalisiert. Dieser bestand zum besagten Zeitpunkt aus einem Sammelsurium unterschiedlicher Kleingruppen: Im Osten Südtirols schlugen die „Pusterer Buam“ zu sowie jene BAS-Zellen, die noch nicht auf- geflogen waren. Luis Amplatz konzentrierte sich auf Bozen, Jörg Klotz war im Passeiertal aktiv122. Zu den personell ausgedünnten BAS-Aktivisten stießen immer mehr neonazistische und pangermanistische Elemente, die vor allem den Direktiven Burgers folgten. Dieser war bereits 1961 beim Vorbereitungs- treffen für die Feuernacht dabei gewesen und organisierte später von der BRD aus illegale Aktionen in Südtirol und in italienischen Städten, die be- wusste zivile Opfer in Kauf nahmen123. Zwischen 1964 und 1967 kamen zu den sporadischen Mastensprengungen und Feuergefechten gezielte Angriffe mit Minenfallen hinzu. Der BAS-Terror wurde auch bewusst überregional ausgedehnt: Es gab Anschläge gegen die Bahnhöfe von Trient und Verona (1962), Kofferbombenattentate gegen Fernzüge (1964) sowie Anschläge mit Molotowcocktails in Rom, Rimini, Monza, Verona, Rovereto und Trient (1961), die von Anhängern Burgers begangen wurden124. Das rief eine entsprechende Gegenreaktion hervor und in dem so entfesselten Schattenkrieg geriet der BAS ins Hintertreffen. Verfügten die italienischen Nachrichtendienste an- fänglich nur über wenig Wissen über den BAS, änderte sich das Bild in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre grundlegend, so Franceschini: „1969/70 war der BAS von Spitzeln und Zuträgern der italienischen Nachrichtendienste nur so durchsetzt“.125 Darüber hinaus verübten italienische Neofaschisten mit Geheimdienstverbindungen Vergeltungsschläge: 1961 wurden die Andreas Hofer-Denkmäler in Mantua und auf dem Berg Isel gesprengt. Kurz nach 6 122 Peterlini, Bombenjahre 219. 123 Christoph, Feuernächte und Folterknechte, profil 20 (2011) 34–41, 37. 124 Peterlini, Bombenjahre 378 ff. 125 Christoph Franceschini, Spielwiese der Geheimdienste. Südtirol in den 60er Jah- ren, in: Im Schatten der Geheimdienste. Südtirol 1918 bis zur Gegenwart, hrsg. von Gerald Steinacher (Innsbruck 2003) 187–228, hier 224.
zurück zum  Buch Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert"
Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Die schwierige Versöhnung