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Luciano Monzali
des Haager Gerichtshofes zu ratifizieren, wie im Punkt 9 des „Operationska-
lenders“ festgehalten42. Die einzige österreichische Partei, die einer raschen
Beilegung des italienisch-österreichischen Streits feindlich gegenüberstand,
war Jörg Haiders Freiheitliche Partei Österreichs, die sich inzwischen auf
ultranationalistischen Positionen bewegte und die SPÖ-ÖVP-Regierung be-
zichtigte, Italien gegenüber zu nachgiebig zu sein und dadurch die Südtiroler
zu verraten43.
Der Nachfolger Gorias, Ciriaco De Mita, führte diese Politik fort und
forcierte die Verabschiedung von Maßnahmen sowie staatlichen und parla-
mentarischen Verordnungen, die zum Südtirol-Paket gehörten, und erfüll-
te so die Umsetzung des Autonomiestatutes der Region Trentino-Südtirol,
indem die beiden letzten Vorschriften – die eine über die Anwendung der
deutschen und ladinischen Sprache in den öffentlichen Ämtern und in den
Gerichtsverfahren, die andere über die Universitätsassistenz in der Provinz
Bozen – verabschiedet wurden. Die einzigen wichtigen Maßnahmen des
Pakets, die das Parlament noch zu beschließen hatte, waren die Maßnahme
111 (Änderung der Wahlkreise für den Senat in Trentino-Südtirol), die Maß-
nahme 137 (Bildung einer ständigen Kommission für die Provinz Bozen)
und eine neue Finanzregelung für die Provinzen Trient und Bozen. Weitere
nebensächliche Maßnahmen, welche die SVP gefordert und die Regierung in
Rom versprochen hatte, auch wenn nicht im Paket enthalten, umfassten: die
Überwindung der Probleme und der Ungleichheiten, welche bei der Durch-
führung des deutsch-italienischen Abkommens vom 27. Jänner 1976 zur Re-
glementierung der Pensionen der ehemaligen Optanten entstanden waren
und die Einführung des Proporzes in der Provinz Bozen für das Eisenbahn-
personal44. Eine Beilegung des italienisch-österreichischen Streites bis zum
42 ILS, AA, Trentino-Alto Adige, b. 21, Quaroni an das Außenministerium, 6. und 18. Mai,
8. und 21. Juni 1988.
43 ILS, AA, Trentino-Alto Adige, b. 21, Quaroni an das Außenministerium, 14. Mai
1988. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass – dem italienischen Geheim-
dienst zufolge – Haiders Partei versucht hatte, in Südtirol tätig zu werden. Dabei knüpfte
sie Kontakte in Südtirol und unterstützte finanziell sowie politisch die Union für Südtirol,
die Ende der 1980er-Jahre als SVP-Gegenpartei und Ausdruck der radikalsten Gruppen des
deutsch-südtirolerischen Nationalismus ins Leben gerufen wurde: ILS, AA, Trentino-Alto
Adige, b. 21, SISMI an das Kabinett des Verteidigungsministeriums, 12. März 1992.
44 ILS, AA, Trentino-Alto Adige, b. 21, Durchführung des Pakets, ohne Datum. (aber
November 1989).
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918