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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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542 Hans Heiss des von dem Tiroler Florian Pedarnig komponierten Marsches „Dem Land Tirol die Treue“, der längst den Status eines Gassenhauers erlangt hat und in den letzten Jahren als patriotische Hymne gerne zum Besten gegeben wird, leistete sich Siegerin Venier einen argen Fauxpas. Sie fügte der Liedzeile „Ein harter Kampf hat Dich entzwei geschlagen, von Dir gerissen wurde Südtirol“, frohgemut den blasphemischen Passus „Gott sei Dank“ hinzu, wie auf you- tube augenblicklich nachzuhören2. Dem landespatriotisch wenig erbaulichen Übermut der Siegerin folgte stante pede der landesübliche Shitstorm im Netz. Der kleine, vom sportlichen Triumph befeuerte Übergriff der Siegerin war kein individueller Ausrutscher: Die blasphemische Lied-Variante wäh- rend der Feierstunde ist ein im Bundesland Tirol mitunter nicht ungern ab- gesungener Zusatz. Er ist nicht nur Provokation, sondern signalisiert auch untergründige Friktionen zwischen den Ländern nördlich und südlich des Brenners. Denn im Bundesland Tirol ist die Erleichterung darüber, dass man in Folge der Landesteilung von den „reichen Brüdern“ im Süden getrennt sei, oft genug spürbar. Aber auch aus umgekehrter Richtung, von Südtirol Richtung Norden, ist die Optik auf das Bundesland Tirol verengt: Es gilt als Einkaufparadies, ist beliebt als Standort der Universitätsklinik und der von jungen Südtirolern viel besuchten Universität Innsbruck, aber seine Politik, Gesellschaft und Lebensverhältnisse sind den meisten Menschen südlich des Brenners im Grunde gleichgültig. Erst recht gilt dies für das Trentino, die Provincia di Trento südlich der Salurner Klause: Sie ist den meisten Südtirolern und Tirolern kaum bekannt, bis auf die Bewohner des Südtiroler Unterlands, die manche Verbindungen pflegen. Auch die in Italien hoch quotierte Uni- versität Trient wird von jungen Südtirolern gerne frequentiert, mit solchen Kontaktpunkten ist aber auch die Nord-Süd-Beziehung auf Alltagsebene bei- nahe ausgeschöpft. Aus umgekehrter Richtung, aus dem Trentino, richtet sich manch bewundernder Blick nach Norden, da etwa die Stabilität des poli- tischen Systems in Tirol und Südtirol, die Effizienz und Leistungskraft man- cher Institutionen und die wirtschaftlichen Erfolge mit Anerkennung und ein wenig Neid bedacht werden. Zudem ist das Streben nach verstärkten und stabilen Verbindungen mit Tirol und Südtirol auch aus dem Grund ausge- 2 Hierzu Vorfall und Kommentar: Südtirol weg – Gott sei Dank?, in: https://salto.bz/de/ article/14022017/suedtirol-weg-gott-sei-dank
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
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