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I. Österreich: Hofspitäler (Edition Nr. 1–16) 501
[402r] Instruction für dem kay(serlichen) hofspithall pfleger Antonio Geroldt
Instruction, ordnung und befelch, was unnser o(ber) ö(sterreichischer) hofspithall pfleger
unnd gethreyer Joseph Antoni Geroldt, welcher auf absterben Johann Georg Aichhamber,
gewessten pflegers des kay(serlichen) hofspithalls allhier zu Innsprugg, auf wohlgefallen
und widerrueffen bestelt [402v] und aufgenohmen worden, hinfiro handlen und
verrichten, sich auch gegen denen armen spithalls persohnen erzaigen und verhalten solle.
[1.] Erstlichen solle er in allweeg der cathollisch apostollischen römischen kürchen,
religion und ordnung anhängig sein unnd bey der gehorsamblichen ainigkheit und
gemainschafft derselben heilligen christlichen kürchen beständigclich bleiben und
verharren, auch auf unns, unnsern praesidenten, vicepraesidenten unnd hofcammer räthe
unnserer o(ber) ö(sterreichischen) landen sein aufsöchen haben. Alß dann
[2.] 2do auch darob sein, daß die armen pfriendt persohnen mit nottwenndiger zaff,
speiß, tranckh auf betreffenden fahl baden und all annderen durchauß der stüffter gemesß
fein, sauber gehalten unnd ihnen an deme, waß geordnet, nichts hervorhalten oder
abgebrochen werde. Ferer [403r]
[3.] 3tio Nachdeme angeregtes spithall anfänglich in der meinung aufgericht und
angesechen worden, daß in demselben zwölff alte und solche manns persohnen, die
denen landtsfürssten zu Tyroll etwo lange zeit gedient, ihren gesundt unnd crafft
dardurch verlohren oder sonst ausgearbeithe, wohl bekhandte, frombe leith seint, unnd
an denen es wohl angelegt ist, unterhalten unnd denselben mit mehrer weibspersohnen
und ehehalten als (wie hernach gemelt) sovill man zur hauß arbeith, item kochen und
denen kranckhen auszuwahrten betürfftig, zuegeordnet und in spithall erhalten sollen,
demnach hat er, unser spithall pfleger, darauf zu gedenckhen, daß ins fürdershin bey
solchen ohngeendert und ordnung verblieben, ausserhalb, was zu hauß notturfft und der
kranckhen ligerhafften manns persohnen wahrt hechst vonnethen oder wür sonsten aus
allergenädigisten mittleiden, darein verschaffen wurden, ferer khein weibs[403v]persohn
eingenohmen werde. Folgendts
[4.] 4to soll er, spithall pfleger Geroldt, ernstlichen darob halten, daß die gottsdienst
und mesßen in der hof spithal capellen innhalts des weich brieffs zu bestimbter zeit als
die kürch weiche in octava unnßers lieben herrn auffahrt, dass ist dem nechsten Pfinsstag
nach der auffahrt Christi, und die patrocinia an St. Lazari und aller Allerhailigen tags
ordenlich gehalten werden, warzue alle verpfriendte, ausser deren etwo ohnpässlichen,
richtig und gewiß zuerscheinen haben.
[5.] 5to Sye, pfriendt persohnen, auch zu der forcht Gottes und das durch die jenige,
so der prödig unnd gottsdiensten in st. Jacobs pfarrkürchen als ihnen nechst angelegnen
gottshaus beywohnen khündten, ersagte kürchen täglichen vor und nachmittag mit
vleisß und andacht besuechen, auch in der capellen, wie vor schon gedacht, obigen gotts
diennsten [404r] vleisßig beywohnen verschaffen, auch alle monath oder wenigist alle
quartall zu ordentlichen heilligen beicht und communion, ingleichen in der capellen
täglichen nachmittag umb 17 uhr einen roßenkhranz für die stiffter und vollzieher
angeregtes spithall alß weillendt Maximilianum, den ersten, und kayßer Ferdinandum
hochlöblichister gedechtnus, derselben vorforderen und nachkohmenden erzhörzogen
zu Össterreich treylich und andächtigclich laut abzubetten anhalten und hieran durch
kheine arbeith mit nichten abhalten lasßen, noch selbs thuen, die jenigen aber, so älters
oder kranckhheit halber nit mehr auß dem hauß khomen, sollen das gebett und die
heillige beicht vleisßig in der capellen und in zimmer verrichten.
[6.] 6to Solle er auch daran sein, daß das h(eilige) h(eilige) sacrament denen jenigen,
Spital als Lebensform
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 2
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- Titel
- Spital als Lebensform
- Untertitel
- Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
- Band
- 2
- Autoren
- Martin Scheutz
- Alfred Stefan Weiß
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79639-8
- Abmessungen
- 17.5 x 24.7 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Medizin