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VI.1 Steiermark: Generalinstruktion für Spitalmeister (Edition Nr. 49) 645
ordentliche Rechnung thun / wegen welcher selber auch gewöhnlicher massen quitiret
werden wird.
[4.] Viertens: Ist bey denen Spittäleren / Waisen- und Armen Häuseren / welche
Unterthanen / Grund-Stücker / Wein-Gärten / und Wälder besitzen / sonderlich dahin
zu sehen / auch fleißige Sorg und Aufsicht zu tragen / damit die Hueben / so vil möglich
/ jederzeit mit guten und vermöglichen Leuthen besetzet / die Contributiones embsigst
eingetriben / die Schätzung nach Gewissen und Billichkeit gemacht / einfolglich auch der
zehende Pfenning / Drittel / oder andere Gebührnus nach Gerechtigkeit eingebracht / die
selbst zu bestreiten kommende Grund / Wisen und Wein-Garten aber wohl und fleißig
bearbeitet / wie nicht weniger die Wälder dergestalten cultiviret werden sollen / damit
selbe nicht mehrer / als ohne Schaden seyn kan / außgehacket werden; Und nachdeme
bereits in Erfahrenheit gebracht worden / daß derley Güter denen milden Stifftungen
öffters nicht vil Nutzen bringen / sondern selben zuweilen vorträglicher fallen werde /
solche zu verkauffen / und davor Capitalien auf Verzinsung anzulegen / also hat
[5.] Fünfftens: Ein zeitlicher Spittl-Meister / wann derselbe den augenscheinlichen
Schaden / oder Unträchtigkeit eines Spittal-Grund-Stucks sihet / solchen Schaden und
Unwürthlichkeit der Hof-Commission anzuzeigen / selbe aber sodann nach genauer
Untersuchung der Sache / & visis omnibus circumstantiis, gutächtlich an die I. Oe.
geheime Stelle weiters abzugeben / ob / und wie dergleichen unnutzbare Grund-Stücke
zu verkauffen seyn möchten? hierüber aber die weitere Verbescheidung erwartet werden
solle: [/]
[6.] Sechstens: In so lang nun erst-berührte bona immobilia nicht zu verkauffen
kommen / und mithin bey dem Spittal verbleiben / seynd die einkommende Pfenn-Werth
so vil deren über die eigene Nothdurfft hinwegzugeben wären / jederzeit im rechten
Werth / keines Wegs aber leichter Dingen und um geringen Preiß zu verkauffen / noch
weniger aber auf einige Eigennützigkeit / als mit Pactirung eines Leykauffs / oder wie es
immer Nahmen haben mag / dabey getrachtet werden solle / wo nebst deme wegen jener
Effecten / so in der Summa was mehrers außtragen / auch allezeit ehe vor der Consens
von hierauß einzuholen / und zu erwarthen seyn werde.
[7.] Sibendens: Solle ihme Spittl-Meister / und seiner Ehe-Würthin an jenen Orten
/ wo ihnen dermahlen vor die Bemühung eine Besoldung / Passirung / oder sonsten
was gegeben / und gelassen worden / selbes auch noch weitershin passiret / dises jedoch
sich auf nichts anders / als von denen man durch die überkommene Bericht würckliche
Wissenschafft traget / zu verstehen seyn / an solchen Orten aber / allwo vor die
Administration nur eine geringe / oder gar keine Utilität außgewisen worden ist / wird
man gantz nicht entgegen seyn / soferne anderst über die benöthigte Spittal-Außgaben /
was übrig verbleibete / nach Verfliessung deß Jahrs / und erfundener guter Administration
auch eine billichmäßig- und proportionirte Ergötzlichkeit außzuwerffen / da hingegen
bey jenen Spittäleren / welche gar ein kleines Vermögen / und zum Ende deß Jahrs
einigen Uberschuß nicht aufzuheben haben / die Verwaltung noch fernershin ex pietate,
auch auß Liebe GOttes / und deß Nächsten zu tragen / und zu versehen / die Belohnung
aber von dem reichen Himmel da und dort zu erwarten / und zu empfangen seyn würdet.
[8.] Achtens: Die Dienst-Leuthe anbetreffend / werden deren so vil es die
unumgängliche Nothdurfft erforderet / zu halten seyn / wo jedoch allezeit solche / die
eines guten Lebens / auch ehrbar und getreu sich an anderen Orten verhalten haben /
aufgenommen werden sollen. Wegen der Kost / und Besoldung aber würdet man sich
nach eines jeden Orts Brauch und Gewohnheit zu verhalten haben. [/]
Spital als Lebensform
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Spital als Lebensform
- Untertitel
- Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
- Band
- 2
- Autoren
- Martin Scheutz
- Alfred Stefan Weiß
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79639-8
- Abmessungen
- 17.5 x 24.7 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Medizin