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674 VI.6 Steiermark: Graz – Armenhaus, Bürgerspital, Lazarett (Edition Nr. 55–63)
geistlichen assistenz und des trosts unablässig nöthig hat, als will erforderlich seyn, daß
er, beneficiatus curatus, disfahls vigilant seye und sich nicht weith von haus absentire, vill
weniger über nacht ausbleibe. Fahls aber dises
[6.] sechstens erheblicher ursachen halber zu beschehen hätte, beforderist wo sein
ausbleiben auf mehrere täg angesehen oder das er ausser stand wäre seiner obligation
in ein und anderen nachzukomben, wird er verbunden, sich disfahls [3r] bey seiner
vorgesezten geistlich und weltlichen obrigkeit gezimmend anzumelden oder nach
beschaffenheit die ursach hinterbringen zu lassen, damit die erforderliche vorsehung in
ein so anderen gemacht werden möge. Massen derselbe dan auch
[7.] sibendtens in casu morbi absentiae vel alterius impedimenti suis sumptibus einen
anderen tauglichen geistlichen ansezen oder anstatt seiner substituiren zu lassen gehalten
seyn solle. Zum fahl er aber
[8.] achtens nur allein unter tags nöthiger dingen nach aus dem spittall sich begebete,
würdet gedachter beneficiatus curatus das orth, alwo er zu finden oder anzu[3v]treffen
seyn möchte, auf einer schwarzen taffel geschribener zu hinterlassen, den kürchen- und
sacristey schlissel aber, umb dise der notturfft nach alsogleich haben zu können, wenigst
jenen von seinen zimmer dem bestelten haus vatter jederzeit einzuhändigen haben.
[9.] Neüntens solle er, beneficiatus curatus, auch gutte obsorg tragen und die arme
leüth öffters ermahnen, das sie täglichen ihr morgen und abend gebett, als welches in dem
h(eiligen) rosenkranz bestehen solle, ununterbrüchlich verrichten, worzue in der fruhe
die achte, nachmittag aber die vierte stund bestimbet ist und stehet ihme frey, solchen
h(eiligen) rosenkranz sambt der [4r] aller heilligen littaney selbst vorzubetten oder einen
anderen tauglichen aus denen armen manns persohnen hierzue zu bestellen. Er aber solle
[10.] zechendtens gehalten seyn, Sonn- und feyertags denen gesambten spittall armen
eine zwar kurze, jedoch nuzliche exhortation zu machen, auch zum öffteren dieselbe, sie seyen
jung oder alt, hierüber zu erforschen, was und wievill sie hiervon profitiret haben. Wie aber
[11.] eylfftens sich eraignet, das theills krankheit halber zu denen bredigen und
exhortationen nicht allezeit erscheinen können, als solle er, beneficiatus curatus, geflissen
seyn, die krankh- und ligerhaffte öffters zu [4v] besuchen und ihnen mit christlicher lehr
und geistlichen trost beyzuspringen. Auch so offt
[12.] zwölfftens eine arme manns- oder weibspersohn in das spittall zur verpflegung
an- und aufgenomben wird, solche gleich bey ihren eintritt (wie sie dahin angewisen
ist) mit ihrer beicht abzuhören, da aber einige sich dessen verwaigerete, ein solches dem
hausvatter anzuzaigen. Wie nicht weniger
[13.] dreyzehendtens dahin obacht zu tragen, das alle sambentlich, sovill sich in
dem spittall befinden, zu nachfolgenden zeiten als Neüen Jahr, Ostern, Pfingsten,
Allerheilligen und Weynachten, auch unter diser [5r] zeit zu hochen Frauen- und
Aposteltägen ihre beicht und h(eilige) communion vollziehen und hiervon von ihme,
beneficiato curato, eine zettl zu handen des haus vatter beybringen sollen.
[14.] Vierzehendtens würdet derselbe verbunden seyn, in gedachter spittall kürchen
täglichen die h(eilige) mess ausser denen wochentlichen zweyen tägen, da er solche zu
s(ank)t Georgen zu verrichten, davor aber einen anderen geistlichen an dessen statt in das
spittall zu substituiren hat, theills zu vollziehung deren verschidenen stüffter intention,
theills aber zu trost deren anwessigen armen leüthen und solche zu gewiser stundt als
umb 8 uhr morgens [5v] selbsten persöhnlich (soferne er nicht legitime impedireta
a Folgt wird, getilgt.
Spital als Lebensform
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Spital als Lebensform
- Untertitel
- Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
- Band
- 2
- Autoren
- Martin Scheutz
- Alfred Stefan Weiß
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79639-8
- Abmessungen
- 17.5 x 24.7 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Medizin