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VII.3 Oberösterreich: Freistadt – Bürgerspital (Edition Nr. 98–103) 799
dises spitall befordist alte persohnen, so mit handt arbeith sich hindurch zubringen nicht
wohl mehr im standt, dises spitall von alten zeiten her gemaint vor anderen und nicht
durch gemaine ohnverdiente tagwerckher oder außwendige leith, ausser es brächte ain
oder andere frembte persohn sovill zum spitall, so nicht allein zu des spitalls aufnemben
gereichete, sondern auch ohne des spitalls zuethuen darvon wohl unterhalten werden
khonte, hinein be[/]fürdert werden. Massen bey gegenwerttig schonn lanng andaurenten
fleisch theurn jahren ein spitaller all jährlichen mit seiner unterhaltung auf ein hoches
zustehen khombet, welch alles die spitall raittung mit mehrern eclatiret. Dennen man
die cost nicht, sondern nur daß brodt khünfftig verwilligen und geben wierdet, haben
ihr unterkhomben anderwerts und nicht im spitall zusuechen, es wehre dann vor ain
und anderes ein ybriges spatium ohnnediss verhandten und befinden sich dermallen 14
persohnen, so ersagtes wochentliche laibl brodt per 3½ lb. wierckhlichen genüessen, die
aber zu einer danckbahren erkhandtnus auch dahingegen anzuhalten seindt, daß sye
Montag, Erchtag und Mitwoch zu denen hey(ligen) rosencräntzen, welche unter der
hey(ligen) mess in der spitall kürchen lautt gebettet werden, ohne erheblichen ursachen
nicht außbleiben, sondern fleissig erscheinen, im widrigen selbe sothannen laibls
verlurstiget werden sollten. Annebens solle er und sye, spitl verwalter, in allen raittungen
jederzeit der spitaller nämben, dann die tag der verwilligung und ihrer hineinkhonfft,
wie auch die zall, wievill ihrer seindt, mit unterschiedt deren, welche die völlige cost und
dan deren, so nur daß wochentliche brodt haben, einbringen, wann ains darvon stirbt,
denselben tag allezeit mit fleiß zu seinen namben hinzue zuschreiben und wann wider
ein anderes [/] darfür hineingenomben wierdt, desselben namben in die verzeichnus
eintragen, und sein hineinkhofft gleich mit dem raths bescheydt beweisen und also die
raittung darauf fihren; nichtweniger da ains stirbt, solches herrn burgermaister anzaigen,
der ihme zu beschreibung dessen verlassenschafft und aufrichtung eines inventarii
jemandten zuegeben wierdt, damit selbige verlassenschafft dem burgermaister ambt zur
unterschreibung alsobalden fürgebracht und in derselben jahrs raittung per empfang und
ausgab, es seye vill oder wenig, eingebracht werden khan.
[4.] 4to Hat er, spitallverwalter, sye, die spitaller, auch dahin zu verhalten, daß sye
allzeit beysamben in der grossen stuben essen, mithin die manns persohnen nacheinander,
diea weibs persohnen auch nach einandera, es wehre dann ein paar ehevolckh darunter,
jeder an seiner außgesezten stöll sizen thuen, sonsten ist aber jeden spitaller sein gespertes
cämmerlein zugeben, auch zu sehen, daß in dem spitallgartten daß kreutlwerch zu
ihren genuesß geziglet und daß yberkhombente obst zu selber gedeyligkheit bevorab an
schwach und alte verwendet werde.
[5.] 5to Der spitaller unterhaltung, cost und tranckh betreffent dise bestehent in
volgenten unnd [/] zwar der vor etwelchen jahren beschehenen einrichtung nach,
nemblichen fürs [5.1] ersste denen hievor angemerckhten 28 spitallern alle wochen per
5 tag, daß ist Sontag, Montag, Erchtag, Mitwoch und Pfingstag sowohl in fleisch als
fastägen ausser der 2 wochen Fasten, jedem ½ lb. rindtfleisch;
[5.2] andertens auf 48 wochen, jedenb ½ lb. hafenbratten und kudlflöckh per ain
wochen;
[5.3] drittens an schweinen oder kölbern brädlfleisch, wie es die zeit zuelasset, als
Neuen jahrstag, Faschingtag und Pfingsten, jeden spitäller 1 lb., Johanni Baptistae aber
a–a Am linken Rand nachgetragen.
b Folgt des tags, getilgt.
Spital als Lebensform
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Spital als Lebensform
- Untertitel
- Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
- Band
- 2
- Autoren
- Martin Scheutz
- Alfred Stefan Weiß
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79639-8
- Abmessungen
- 17.5 x 24.7 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Medizin