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934 IX.1 Wien: Wiener Bürgerspital (Edition Nr. 144–190)
[7.] Siebendes alle spitäler sollen im winter vor halber 4 uhr und im sommer vor 4 uhr
sich in ihren stueben einfinden und von daraus paarweiss in die pfarrkirchen sich zu dem
seegen begeben; allwo die lauretanische litaney und ein rosenkrantz laut gebettet wird.
[8.] Achtens im winter um 4 uhr, im sommer aber um 5 uhr ist in jeder stuben das
abermahlige tischgebett vor dem nachtessen zu verrichten; wornach jeglichen armen frey
stehet, sein essen, wie zu mittag gemeldt worden, abzuhollen.
[9.] Neuntens im winter um 6 uhr, im sommer um 7 uhr folget das nachtgebett mit
angeheffteten 7 vater unsern und 7 ave Maria; nebst diesem am Sonntag der englische, am
Samstag aber der marianische rosenkrantz.
[10.] Zehendens sollen sich alle spitäler im winter um 7 uhr, im sommer aber um 8
uhr zur ruhe begeben und keinem länger aufzubleiben zugelassen seyn.
[11.] Eylfftens auf ihre andachten seynd sie zuforderist vor das durchleuchtigste
ertzhaus von Oesterreich, dann für ihre stiffter und wohlthäter aufzuopfern verbunden.
[12.] Zwölfftens an denen hohen fest-, auch Frauen- und Aposteltagen sollen die arme
zur heiligen beicht und communion gehen, sothane beicht auch wenigst viermahl des
jahrs in dem spital verrichten und die allda eingeführte beichtzettul dem stubenvatter
oder stubenmutter einhändigen.
[13.] Dreyzehendens zu denen fürfallenden hausarbeiten muessen sich alle und
jede nach ihren kräfften auf anordnung des betvatters gebrauchen lassen; darzu aber
niemand über seine kräfften, noch dass er die arbeit durch andere verrichten lassen
und diese darvor bezahlen sollen, anzuhalten seyn wirde; wie dann auch denen, welche
arbeiten können, für ihre bemühung in einigen fällen nach anordnung der herren
superintendenten eine ergätzlichkeit gegeben werden solle.
[14.] Vierzehendens die zimmer sollen täglich gereiniget, die ligerstätt sauber gebethet
und alle ersten Sonntag des monaths mit frischen leiblachern überzogen werden.
[15.] Fünffzehendens in die stuben solle von niemanden, bey würcklicher ausstossung
aus dem spital, weder liecht noch glut gebracht, auch die gemeinsame latern jedesmahl
von den stubenvattern oder -muttern angezundet und ausgelöschet werden.
[16.] Sechszehendens wer unter denen spitällern zu betteln und allmosen zu
begehren sich unterfangen wird, solle auf betrettung ebenfalls aus dem spital alsogleich
hinausgestossen werden.
[17.] Siebenzehendens sollen die arme sich gegen jedermann, sonderlich aber gegen
ihre vorgesetzte, bescheiden und gehorsam bezeigen, auch unter einander also gewiss in
fried und einigkeit leben, als im widrigen fall sowohl diese, so einen zanck anfangen, als
auch jene, so sich im streit einlassen, ohne weiterer untersuchung ihrer geldportion für
einen tag verlustiget seyn: Der anfänger aber noch besonders nach befund der sachen
abgestrafft werden solle.
[18.] Achtzehendens alles übermäsigen trinckens (da es vor Gott sündhafft und
bevorab in einem spital der welt zu aergernuss anlass giebt) haben sich die spitaeler
zu enthalten, dahero die berauschte person das erstemal eine gantze geldportion, das
anderemal aber von selber durch acht täg lang die halbscheid verliehren solle.
[19.] Neunzehendens wer weitershin diese vorgeschriebene ordnung in denen übrigen
vorhin angeführten fällen übertritt, wird zum erstenmal um die halbe und das andertemal
um die gantze geldportion abzustraffen seyn; nach gestalten dingen aber, und da keine
besserung erfolgete, solle bey weiterer ubertrettung derselbe noch empfindlicher in die
straff genommen, auch wohl gar aus dem spital gestossen werden.
[20.] Zwanzigisten: Diese spital- und tagordnung solle in jeglicher stuben zu
Spital als Lebensform
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Spital als Lebensform
- Untertitel
- Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
- Band
- 2
- Autoren
- Martin Scheutz
- Alfred Stefan Weiß
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79639-8
- Abmessungen
- 17.5 x 24.7 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Medizin