Seite - 1012 - in Spital als Lebensform - Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 2
Bild der Seite - 1012 -
Text der Seite - 1012 -
1012 IX.1 Wien: Wiener Bürgerspital (Edition Nr. 144–190)
Nr. 172
Instruktion für den Bürgerspital-Geschirrmeier in Wien.
Wien, 1692 Jänner 3
Archiv: WStLA, Bürgerspitalakten, Fasz. LVI (A 74)
Rückvermerk: Instruction eines geschiermayrs bei dem burgerspital alhier. Collat(ioniert).
Instruction eines geschiermayr bei dem burgerspitall alhier, wesßen er sich in seinen
diensts verrichtungen zuverhalten hat
[1.] Erstlich solle er mit allem gehorsamb und respect denen herrn superintendenten
und spitlmaister underworffen sein und, was von selbigen in billichen sachen ihme
anbefolchen würdet, solches unwaigerlich verrichten.
[2.] Andertens sein ihme die spitals roß, wagen und geschier in seine aufsicht und
obsorg anvertraut, auf die wierd er sein wachtsambes absehen haben, daß den rosßen
von denen knechten woll gewarttet, die selben sauber gebuzet und ihnen ihr fuetter recht
gegeben werde, zu dem ende er dan denen knechten fleisßig nachschauen und sonderlich
des nachts in denen ställen visitiren solle, ob die knecht zu hauß sein, kheine frembte
leüth aufhalten, auch das feür und liecht verwarth seye.
[3.] Drittens die roß, wan sie etwan alt und pauvöllig werden, das sie mitler zeit beim
spital nit mehr zu gebrauchen sein mechten, solle geschiermayr sehen, das sie zeitlich
hinweckh gebracht [/] und nit noch etwas nuzen, durch herrn spitlmaister verkhaufft
werden. Zu endt des jahrs aber solle er deren allweg ein geferttigte specification, wievill
er deren zum anfang empfangen und was darzue oder wider hinwegg khomben, mit
entwerffung des rests dem herrn spitlmaister zuestellen, der dieselbe weiters bei seiner
raittung beibringen würdet.
[4.] Vierttens an denen wägen und gschier solle er der gestalt nachbesßern lasßen,
damit dieselben nit hauffenweiß zu grundt gehen, sonderlich aber das in maad, ärnt
und lesßens zeit wenigist doppeltes gefehrt verhanden und man also in einbringung
der fexungen durch das fuhrwerch nit gesaumbt werde, dieweillen man auch die leixen,
schweben, wißpaumb und dergleichen auß spitals aignen wäldern haben khan, solle er
darzue anstalt machen, das sie zu rechter zeit geschlagen, haimbgebracht und volgents,
wan etwa die knecht regens halber feyren müesßen, durch dieselben außgeschniden und
also hierdurch dem spital etwas erspart werde.
[5.] Fünfftens hat er, geschiermayr, auf des spitals äckher und wüßen [/] fleisßig
nachzusehen, das dieselben und sonderlich die äckher, welche angebaut, an den weegen
woll verfridet, damit khein ungewöhnliche farth weeg darüber gemacht werden, die
wüßen solle er in außwerths fleisßig abraumben, puzen und an weegen vergraben lasßen,
auch bei den gemärckhen zuesehen, das dieselben nicht verruckht, vertilliget oder dem
armen hauß etwas darvon entzogen werde.
[6.] Sechstens der geschiermayr hat auch darob zu sein, das das ackherpau recht
verricht, die äckher, sovill müglich, öffters gedungt, zu rechter zeit gebracht und sowohl
herbst als früehlingszeit nach gewöhnlicher hießigen landts praxi mit traidt und habern
angepauet werden, zu welchen anpau ihme der stadlmayr mannßvatter und die beeden
weingarttkhnecht adjungiret sein, die ihme solches verrichten helffen sollen.
[7.] Sübentens wann nun das traidt zur zeitigung khomben will, solle geschiermayr
Spital als Lebensform
Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Spital als Lebensform
- Untertitel
- Österreichische Spitalordnungen und Spitalinstruktionen der Neuzeit
- Band
- 2
- Autoren
- Martin Scheutz
- Alfred Stefan Weiß
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79639-8
- Abmessungen
- 17.5 x 24.7 cm
- Seiten
- 722
- Kategorie
- Medizin