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III. Der sowjetische Besatzungsapparat: Struktur und
Funktion220
Die Ausgelieferten blieben nur kurze Zeit in Judenburg.269 Per Bahn kamen
sie zunächst in das Lager Nr. 304 nach Graz-Liebenau,270 nach Bruck an der
Mur oder in das Lager Nr. 80 nach Feldbach, das unter anderem unter der
Aufsicht des 25. Grenzregiments stand.271 Das Lager Nr. 80 überwachte ab
269 Am 3. Juni 1945 befanden sich von den insgesamt 27.242 Personen, die bis dahin ausgeliefert wor-
den waren, nur mehr 6183 Personen im Lager Judenburg. Die übrigen 21.059 waren bereits an
andere Aufnahmelager überstellt worden. Bei der genannten Gesamtzahl unterschied der NKVD
zwischen Angehörigen von Vlasov (19.076 Personen) und jenen von Domanov (8166 Personen).
Vgl. RGVA, F. 32900, op. 192, d. 220, S. 192, Sondermitteilung des Leiters der NKVD-Truppen zum
Schutz des Hinterlandes der 3. Ukrainischen Front, Generalmajor Pavlov, an den Militärrat der 3.
Ukrainischen Front über die Auslieferung von Vlasov-Angehörigen und Kosaken in Judenburg,
9.6.1945. Abgedruckt in: Karner – Pickl, Die Rote Armee in der Steiermark, Dok. Nr. 90.
270 Zum Lager Liebenau vgl. Barbara Stelzl, Lager in Graz: Zur Unterbringung ausländischer Zivilar-
beiter, Kriegsgefangener und KL-Häftlinge 1938–1945, in: Stefan Karner (Hg.), Graz in der NS-Zeit
1938–1945. Graz 1998, S. 353–369, hier: S. 357f.; Petrov – Ruggenthaler – Stelzl-Marx, Repatriierung
oder Verbleib in Österreich?, S. 464. Insgesamt wurden zwischen 9. Juni und 8. Juli 1945 mehr als
16.800 Personen über das Lager Nr. 304 in die Sowjetunion transportiert. Vgl. Petrov, Die Inneren
Truppen des NKVD/MVD, S. 232.
271 Am 3. Juni 1945 erhielt der Chef des Stabes des 25. Grenzregiments den Befehl, unverzüglich ein
Bataillon aus Marburg zur Bewachung des Lagers Nr. 80 „nach Feldbach“ zu verlegen. Vgl. RGVA,
F. 32910, op. 1, d. 37, S. 241, Befehl des stv. Chefs der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes
der 3. Ukrainischen Front, Oberst Nanejšvili, an den Chef des Stabes des 25. Grenzregiments, Major
Logvinov, zur Bewachung des Lagers in Feldbach. Abgedruckt in: Karner – Pickl, Die Rote Armee
in der Steiermark, Dok. Nr. 87. Hierbei handelte es sich um ein Lager auf dem Areal des Schlossge-
bäudes von Hainfeld mit etwa 20.000 Personen. Vgl. Grasmug, 8 Jahrhunderte Feldbach, S. 335.
Abb. 26: Der Donkosaken-Ataman Petr Krasnov (Mitte) nach seiner Übergabe an die Sowjets in
Judenburg. Er wurde später in Moskau zum Tod verurteilt und hingerichtet. (Quelle: AdBIK,
Sammlung Kozinec)
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Stalins Soldaten in Österreich
- Untertitel
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Autor
- Barbara Stelzl-Marx
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 874
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918