Seite - 263 - in Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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5. Die Verwaltungsebene: Der Sowjetische Teil der Alliierten Kommission 263
dabei den Auftrag, „rechtzeitig jene Maßnahmen, die von den Westmäch-
ten und der österreichischen Regierung durchgeführt werden und auf eine
Remilitarisierung Österreichs sowie ein Wiederaufleben militärischer und
nationalsozialistischer Organisationen abzielen, zu entlarven“. Gerade die-
ser Passus spiegelt die Verschlechterung der sowjetischen Beziehungen zu
den Westmächten, allen voran den USA, im fortschreitenden Kalten Krieg
wider, aber auch zur österreichischen Regierung seit den Novemberwahlen
1945. Bereits für 1947 war seitens der sowjetischen Besatzungsmacht in ihrem
Jahresbericht konstatiert worden, dass „die Arbeit in der Alliierten Kommis-
sion von den Amerikanern mithilfe anderer Partner im Grunde genommen
sabotiert und ihr sowjetischer Teil ignoriert“ werden würde und dass die ös-
terreichische Regierung zu einer „folgsamen Marionette in den Händen der
US-Amerikaner“ geworden wäre. Auch die ironische Verwendung von An-
führungszeichen für den Begriff „Alliierte“ („sojuzniki“) ist als Ausdruck für
die Verhärtung der Fronten zu sehen.440
Erstmals wurden nun auch ausführlich die Rechte der SČSK definiert,
wobei grundsätzlich vom Zweiten Kontrollabkommen und von „weiteren
Viermächtebeschlüssen über Österreich“ auszugehen war. Konkret bezog
sich dies jedoch auf die „erforderliche Unterstützung“, die „den demokra-
tischen Organisationen in Fragen der demokratischen Entwicklung“ seitens
der SČSK zukommen sollte. Das sowjetische „Demokratieverständnis“ be-
schränkte sich dabei ausschließlich auf kommunistische, UdSSR-freundliche
Einrichtungen. Diese „progressiven österreichischen Bürger und Organisati-
onen“ waren außerdem gemeinsam mit der SČSK für die Einrichtung eines
Informationsnetzes „für die Verbreitung von Informationen über die Sowjet-
union“ zuständig. Erneut wurde auf das Recht des Sowjetischen Teils hinge-
wiesen, die Gültigkeit österreichischer Gesetze, Beschlüsse und Verordnun-
gen, die im Widerspruch zu Befehlen des Hochkommissars oder etwa des
Alliierten Rates standen, in ihrer Zone aufzuheben. Darüber hinaus konnte
der Hochkommissar in Fragen, die aus den ihm „eingeräumten Rechten er-
wachsen“ würden, den österreichischen Behörden Befehle erteilen. Bei letzte-
ren Punkten musste jedoch die „Erlaubnis des Zentrums“ eingeholt werden.
Die 1952 erfolgte Umstrukturierung und Neudefinierung der SČSK brach-
te einen Machtzuwachs des Außenministeriums mit sich. Durch die Unter-
stellung der Kommandanturen unter den Sowjetischen Teil und die Neude-
finierung seiner Aufgaben lag die Verantwortung für die politische Tätigkeit
440 AVP RF, F. 66, op. 26, p. 32, d. 29, S. 25–30, Zusammenfassung des Endberichts der SČSK für das
Jahr 1947 durch Barulin an Smirnov [April 1948]. Abgedruckt in: Karner – Stelzl-Marx – Tschubar-
jan, Die Rote Armee in Österreich, Dok. Nr. 73.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Stalins Soldaten in Österreich
- Untertitel
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Autor
- Barbara Stelzl-Marx
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 874
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918