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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 292 -
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III. Der sowjetische Besatzungsapparat: Struktur und Funktion292 Österreich“, wobei die gezielt gesetzten Anführungszeichen die vehemente Ablehnung des Marshallplans von sowjetischer Seite unterstrichen.556 Wie bereits erwähnt, fühlte sich der Direktor eines SMV-Erdölfeldes, Alek- sandr Kozlov, im April 1953 bemüßigt, Chruščev auf personelle und struktu- relle Schwierigkeiten bei der SMV hinzuweisen. Nach einer Reorganisation der Sowjetischen Erdölverwaltung in Österreich wäre der Büroapparat be- achtlich vergrößert worden, während sich die Arbeitsbedingungen vor Ort sogar noch verschlechtert hätten. Auch er wies auf eine zunehmende Unter- wanderung der Betriebe mit „antisowjetischen Personen“ hin. Neben dem sowjetischen Mitarbeiterstab wurde nämlich, so Kozlov, „der Apparat der örtlichen (österreichischen) Arbeiter maßgeblich vergrößert, und für irgend- welche feindlich eingestellten Menschen ergab sich die große Chance, im Ap- parat der Sowjetischen Erdölverwaltung Arbeit zu finden“. Er zog folgendes Fazit: „Solch eine Maßnahme stärkt nicht die Wachsamkeit unter den Bedin- gungen einer kapitalistischen Umgebung, sondern schwächt sie.“557 Bemerkenswert ist Kozlovs versteckter Hinweis auf die systemimmanen- te Obrigkeitshörigkeit seiner Kollegen. Sie erlaubten sich keinerlei Kritik, obwohl die aktuelle Entwicklung in Österreich „auf keinste Weise den Be- schlüssen der XIX. Parteisitzung entsprechen“ würde. „Viele Genossen, die diese Meinung teilen, können sich nicht entschließen, diese Frage zu stellen, weil die Reorganisation [der SMV] durch die entsprechenden Beschlüsse der Regierung bestätigt wurde.“ Er hingegen sah es „als seine Pflicht“, Chruščev um die notwendigen Anweisungen hinsichtlich einer Neubeurteilung der Struktur der SMV gemäß den jüngsten Regierungsbeschlüssen über wirt- schaftliche Einsparungen, engere Kooperationen zwischen der Verwaltung und den Betrieben und schließlich über „die Stärkung der Wachsamkeit“ zu ersuchen. Konkret schlug Kozlov für den gesamten sowjetischen Wirtschafts- komplex in Österreich einen strafferen, mit den nötigen Kompetenzen ausge- statteten Verwaltungsapparat und die Liquidierung der zwischengeschalte- ten, unnötigen Zweigverwaltungen vor. Die Umstrukturierung wäre wegen der „schweren finanziellen Lage“ und der drohenden Stilllegung der SMV- Betriebe dringend notwendig, welche nicht nur „wirtschaftlichen, sondern auch politischen Schaden [für] unsere Heimat“ bedeuten würde.558 Generell war zu diesem Zeitpunkt schon längst zu bemerken, dass beim sowjetischen Wirtschaftsimperium in Österreich vieles im Argen lag. Der Riese wankte. 556 RGANI, F. 5, op. 28, d. 70, S. 90–121, hier: S. 121, Bericht des Leiters der Wirtschaftsabteilung der SČSK, V. Smirnov, über die Arbeit der Wirtschaftsabteilung der SČSK im 1. Quartal 1953, 14.4.1953. 557 RGANI, F. 5, op. 30, d. 34, S. 20–22, Bericht von A. P. Kozlov an Chruščev über Probleme bei der SMV, 21.4.1953. 558 Ebd.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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